Die westlichen Scheindemokratien

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Die westlichen Scheindemokratien, kapitalgesteuert und parteiendominiert.

Inhaltsverzeichnis 

Historische Thesen zu diesem Thema                              

Vorwort                                                                                

Kapitel I       Begriffsklärungen

a1    Sprache und Denken
a2    Worte und BeGriffe 
a3    Bedeutung
a4   „derzeitige gsellschaftliche Realität“
a5    frei versus Freiheit
a6    souverän-sein und Souveränität                            

Kapitel II Wir Menschen als Staatsbürger                     

a     Von Stadien, Bewusstseinsstrukturen  und Weltsichtebenen
a1 Piagets Stadiena2 Gebsers Bewusstseinsstrukturen
a3 Graves` Weltsichtebenen
a4 Ein positiver Blick auf diese Evokution
b   Der Verlust des Mitgefühls                                   

Kapitel III     Die Zivilisation und ihre Folgen                                                                                                  

a1   Machthierarchien, Klassen und Kasten
a2  Entfremdung
a3  Macht und Eigentum als Ersatz für Liebe
a4  Neue Sprache und neues Denken
b    Resümee                                                                 

Kapitel IV     Die Demokratur (Scheindemokratie)
a1 Grundlegende politische Denkformen
a2   Die Idee der Demokratie und ihre Evolution
b     Die real existierenden Schein-Demokratie
b1   Was meint Gleichheit und welche Bedingungen hat sie?
b2   Brüderlichkeit, bzw. Schwesterlichkeit
b3   Freiheit, und ihr ideologischer Missbrauch
c     Die real existierenden kapital- und parteiendominierten Scheindemokratien
c1   Geheimgesellschaften
c2   Die Gründe gegen eine wirkliche Demokratie
c3   Derzeitiger Zustand
c4    Die flüchtige Moderne
c5    Resümee                                                                  

Kapitel V       Alternative Möglichkeiten der Zukunft
a1    Die Thesen Erich Fromms
a2    Die Thesen Johannes Heinrichs´
b      Wie könnte wirkliche Demokratie entstehen?              

Literaturverzeichnis                                                            

Historische Thesen zu diesem Thema 

Ich behaupte, dass das Gerechte nichts anderes ist als das den Überlegenen Zuträgliche“. Sokrates (Platon „Der Staat“ 338C Hervorh. PS).

 „Die Souveränität kann nicht vertreten werden, und zwar aus demselben Grund, aus dem heraus sie nicht entäußert werden kann. Sie besteht ihrem Wesen nach im allgemeinen Willen (des Volkes), und der Wille vertritt sich nun einmal nicht. Er ist der allgemeine Wille, oder er ist etwas anderes; es gibt da kein dazwischen. Die Abgeordneten des Volkes sind also nicht seine Vertreter, noch können sie es sein; sie sind nur seine Beauftragten, nichts können sie endgültig beschließen, jedes vom Volk nicht persönlichratifizierte Gesetz ist nichtig; es ist kein Gesetz. Das englische Volk (so wie heute jedes Volk einer Demokratie) hält sich für frei: Es irrt gewaltig. Es ist nur frei während der Wahl der Mitglieder des Parlaments; sobald diese gewählt sind, wird das Volk zum Sklaven undist nichts“ (J.J. Rousseau „Vom Gesellschaftsvertrag“ S.129 Hervorh. PS).

„… wenn sich Parteien und Teilinteressen auf Kosten des Ganzen bilden, wird der Wille jeder dieser Gruppierungen gegenüber den Mitgliedern ein allgemeiner und gegenüber dem Staat ein besonderer sein; man kann dann sagen, dass es nicht mehr so viele Stimmen wie Menschen gibt, sondern nur noch so viele wie Gruppen. Wenn erst eine dieser Gruppen (die als Parteien wechseln können) so groß wird, dass sie die Macht über alle anderen davonträgt, bleibt als Ergebnis nicht mehr die Summe der kleinen Unterschiede, sondern ein einziger Unterschied; es gibt dann keinen allgemeinen Willen mehr, und die Anschauung die siegt, ist bloß eine private Meinung“ (a.a.O. S.43 Hervorh. PS).

„Jedem Vorschlag zu einem neuen Gesetz oder einer neuen Regelung über den Handel, der von ihnen (es sind Kaufleute und Fabrikanten gemeint) kommt, sollte man immer mit großer Vorsicht begegnen. Man sollte ihn auch niemals übernehmen, ohne ihn vorher gründlich und sorgfältig, ja, sogar misstrauisch und argwöhnisch geprüft zu haben, denn er stammt von einer Gruppe von Menschen, deren Interesse niemals dem öffentlichen Wohl genau entspricht, und die in der Regel vielmehr daran interessiert sind, die Allgemeinheit zu täuschen, ja, sogar zu missbrauchen“ (Adam Smith „Wohlstand der Nationen“ S.213 Hervorh. PS).

 „Mich interessiert nicht, wer die Gesetze macht, solange ich das Geld kontrolliere.“ (Amschel Meyer Rothschild 1744-1812)

 “Die Welt wird von ganz anderen Personen regiert, als man sich das denkt, wenn man nicht hinter die Kulissen blicken kann.”(Benjamin Disraeli, aus „Coningsby“ 1844)

 „Die Welt ist müde von Staatsmännern, welche die Demokratie zu Politikern degradiert hat“. (Benjamin Disraeli 1804-81)

  „… wie zufrieden sie (die herrschende Klasse der Bourgeoisie der Neuzeit) mit jeder Regierung gewesen ist, auf die sie sich für den Schutz des Eigentums verlassen konnte. Sie hat wahrlich im Staat nie etwas anderes als eine notwendige Organisation zu Polizeizwecken gesehen. Denn die Privatgesellschaft in der diese Klasse lebte, war eine Gesellschaft von Konkurrenten, in der in der Tat galt, dass Macht Recht ist, dass Erfolg der einzige Maßstab allen Tuns und Leidens ist und dass der Größere notwendigerweise immer den Kleineren verschlingen muss, so dass jeder sehen muss, so groß wie möglich zu werden.

…. wurden diese Maximen privaten, an Konkurrenz gebundenen Handelns nach und nach auf das Niveau von Prinzipien für die Ordnung öffentlicher Angelegenheiten gehoben. Gerade weil die nationale Innenpolitik anfänglich von dieser Umwertung verhältnismäßig unberührt blieb, wurde die Bevölkerung im großen und ganzen kaum gewahr, dass das systematische Außerachtlassen aller Fragen des öffentlichen Wohls und die Rücksichtslosigkeit, die für das gesellschaftliche Leben ohnehin schon kennzeichnend waren, aber gegen welche die staatlichen Instanzen die Privatpersonen, so gut es ging, geschützt hatten, nun auf die politische Sphäre der öffentlichen Angelegenheiten selber ausgedehnt werden sollten (inzwischen wurden), so dass der individuelle Bürger schließlich selbst den dürftigen Schutz noch verlor, den Gesetz und Recht ihm gegen die Anarchie der Gesellschaft geboten hatte“. (Hannah Arendt „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ S.217f Hervorh. PS)

„Juristisch gesprochen und im Gegensatz zur Gesetzesherrschaft ist Bürokratie das Regime der Verordnungen“. (a.a.O. S.369 Hervorh. PS)

„Der Wähler legitimiert mit seiner Wahl die Politik, die anschließend gegen Ihn gemacht wird“. (sinngemäß Herbert Wehner, 60er Jahre)

 „Die Demokratie wird so lange umdefiniert, bis eine Diktatur dabei herauskommt, die jeder für eine Demokratie hält“. (Gerhard Wisnewski, 2015)

 “Diejenigen, die entscheiden sind nicht gewählt, und diejenigen die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden!” (Horst Seehofer, bayerischer Ministerpräsident, bei Erwin Pelzig, 20. Mai 2010)

“Und wir in Deutschland sind seit dem 08.Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen.” (Wolfgang Schäuble auf dem European Banking Congress 18.11.2011 in Frankfurt a.M.)

„Korporatokratie, so nenne ich das Netzwerk aus Unternehmen, Banken, Regierungen und den Reichen und Mächtigen, die damit verbunden sind“ und die „eine Ökonomie des Todes“ hervorbringt. (John Perkins, aus „Bekenntnisse eines Economic Hit Man“ 2016)

 „Solange Ihr uns das Sagen überlasst (es sind die internationalen Eliten gemeint), tun wir so, als würden wir Euch herrschen lassen“.

„Obwohl Amerikas repräsentative Institutionen in bewusster Gegnerschaft zum Ideal der Demokratie gegründet worden waren, wurden sie jetzt (bis in die Gegenwart) als die bestmögliche Verkörperung des demokratischen Ideals, die unter modernen Bedingungen denkbar ist, gefeiert“. (beide Zitate von Yascha Mounk, Politikwissenschaftler in Harvard, aus seinem Buch „Der Zerfall der Demokratie“ 2018

Vorwort 

Die voraufgehenden „Thesen“ als auch die Überschrift zeigen an, dass sich der folgende Text umfassend kritisch mit unserer „derzeitigen gesellschaftlichen Realität“ beschäftigen will. Aber ist es denn überhaupt erforderlich sich damit kritisch auseinanderzusetzen? Heißt es denn nicht in Artikel 20 unseres Grundgesetzes – es ist ja dieses Grundgesetz, auf dem die politische Realität dieses Staates aufbaut, genauer müsste ma´u (ab hier immer für man/frau) eigentlich sagen, aufbauen sollte (s.u.) – in Absatz 1: Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat und in Absatz 2 klar und deutlich: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt (Hervorh. PS.)? Warum also kann ma´u dann so oft Sätze hören: „Ich kann wählen was ich will, die da oben machen ja doch was sie wollen“, oder warum geht die Wahlbeteiligung trotz permanenter Ermahnungen immer weiter zurück? Auf den folgenden Seiten geht es darum zu zeigen, in welch umfassender Weise unsere „derzeitige gesellschaftliche Realität“ eher einer Schein-Realität entspricht – bezogen auf die wirklich ausgeübten Machtverhältnisse in unserem Staat und den daraus herkommenden „realen“ Umständen -, dass wir sozusagen einer Täuschung erliegen, die ma´u uns ständig vorspiegelt, anstatt das zu sehen, was hier wirklich üblicherweise vor sich geht. Wir glauben nur, nein genauer muss ma´u auch hier schon sagen, wir sollen glauben, dass unsere gesellschaftliche Realität diesen eben angeführten Bestimmungen unseres Grundgesetzes entspricht. Wir erkennen und verstehen im Allgemeinen nicht, wie hier – das gilt übrigens für alle derzeit sich als Demokratien definierende Staaten – Politik wirklich funktioniert, also präzise ausgedrückt, wer hier wirklich die Macht dieses Staates – angeblich im Namen des Volkes – ausübt, und insbesondere, in wessen Interessen sie wirklich abläuft, und wer letztlich davon und dadurch auf Kosten anderer bevorteilt wird und wie wir als Mitglieder dieses Volkes als die „Übersehenen“, umfassend benachteiligt werden. 

Wenn das bisher ausgesagte wirklich stimmen sollte – es ist die hier verfolgte Absicht, dies im folgenden Text umfassend aufzuzeigen -, was meinen denn dann die Begriffe „derzeitig, gesellschaftlich und Realität“ genauer? Sie verehrte LeserInnen werden sich vielleicht verwundert fragen, welche Bedeutung diesem Teil-Satz zukommt, denn wir wissen doch alle, was erstens die Begriffe derzeitig, gesellschaftlich und Realität meinen, als auch was unsere gesellschaftliche Realität wirklich ist. Sind die bisherigen Aussagen also alle nur un-sinnig, ohne Sinn? Natürlich überhaupt nicht, sonst würde ja hier nicht die Absicht zugrunde liegen, dies im folgenden Text aufzuzeigen. Wie aber lässt sich so etwas, was ja ganz offensichtlich der absoluten Überzeugung fast aller Bürger widerspricht auf-zeigen, ja vielleicht sogar beweisen?

Wenn ma´u sich mit einem solchen Thema ernsthaft beschäftigen will, muss ma´u sich zunächst die Bedeutungen der zu verwendenden Begriffe – z.B. auch der Be-Deutung des Begriffs Bedeutung – genauer anschauen. Alle unsere Begriffe nämlich, die wir normalerweise völlig selbstverständlich benutzen, sind absolut umfassend das Produkt historischer – siehe der Übergang der Sichtweise auf das Wirkliche vom Sein zum Seienden (s.u. oder auch Heidegger) in Griechenland und der darauf folgenden Dualität im Sinne von Subjekt-Objekt-Bezügen -, von diesem Denken begründeten gesellschaftlicher und persönlicher –  als Folge der persönlichen Ontogenese – Voraussetzungen und haben eben von daher für jede/n einzelne/n ganz unterschiedliche Bedeutungen. In all meinen Büchern benutze ich für diesen Umstand den Begriff unsere „Bilder im Kopf“. M.a.W., alle Begriffe bzw. alle Bilder in unseren Köpfen, stellen alles Wissen und alle daher kommende Vorstellungen von uns – also jeder einzelnen Person – über unsere persönliche und gesellschaftliche Realität dar – also das, was wir als jede/r einzelne auf die eben angegebene Weise erlernt und/oder einfach von anderen (z.B. Eltern, LehrerInnen usw.) übernommen haben -, auf deren Voraussetzungen wir alles das zu verstehen glauben, bzw. davon ausgehend interpretieren, was wir hören oder was uns begegnet und widerfährt. Darüber hinaus sind sie die Voraussetzungen unserer Gewohnheiten, die unser Leben umfassend bestimmen und strukturieren. Eine gründliche Analyse dieser Zusammenhänge finden Sie in dem Buch „Die menschliche Realität“ von John Dewey, so dass ich mir hier eine über meine Absichten hinausgehende nähere Besprechung dieses Zusammenhanges ersparen kann. Wichtig ist aber wieder in meiner Absicht darauf zu verweisen, dass uns in aller Regel diese höchst persönlichen Voraussetzungen, die ja grundsätzlich unsere je eigenen und damit zu den der anderen Menschen unterschiedlichen sind, als diese je eigenen gar nicht wirklich bewusst sind, zumindest dann nicht, wenn wir uns nicht schon mal aus einem gegebenen Anlass damit auseinandergesetzt haben. Alle diese Umstände gehen letztlich sowohl auf die von uns Menschen erfundenen und seither benutzten Sprachen und deren Besonderheiten, als auch auf die schon erwähnte Ontogenese jedes Menschen zurück. Diesen Umstand konsequent angewendet kann ma´u auch sagen; im Moment laufen auf dieser Erde mehr als sieben Milliarden persönlicher „Bilder im Kopf“ – in jedem je eigene – der derzeit lebenden Menschen herum.

Um diesen Sachverhalt besser zu verstehen, hier zwei unterschiedliche Sichtweisen auf die Funktion von Sprachen – neben anderen (s.u.) -, eine objektive und eine subjektive. Zunächst die objektive; einen ersten Hinweis in die Richtung sprachlicher und/oder begrifflicher Unklarheiten bzw. Differenzen im gegenseitigen Verstehen findet ma´u schon an den oft gravierenden Unterschieden der Bedeutung von Begriffen der jeweils benutzten Sprachen. Jede Sprache kennt Begriffe, die es so in anderen Sprachen nicht gibt – siehe der alleine deutsche Begriff Heimat -; oder die in anderen Sprachen in abweichender Bedeutung oder eventuell gar nicht benutzt werden – siehe das Thema Artikel -; oder dass für einen Begriff einer Sprache, z.B. dem deutschen Begriff Geist, der ja mehrere ganz unterschiedliche Bedeutungen hat – vom Wein-Geist über Gespenster bis zum menschlichen oder gar göttlichen Geist -, in anderen Sprachen mehrere Begriffe benutzt werden, die dann durchaus die hier existierenden Unterschiede manchmal zusammenfassend, manchmal nur teilweise zum Ausdruck bringen. Dies hängt dann aber auch oft umfassend von der Bedeutung eines so in den üblichen Begegnungen Erlebten in einer Gesellschaft ab, siehe das Beispiel Schnee, den es als solches Sammelwort z.B. in der Sprache der grönländischen Inuit gar nicht gibt, für das ma´u dann aber bis zu 100, bezogen auf bestimmte Schnee-Zustände präzise benennende Variationen kennt, was nicht verwundern kann, wenn ma´u deren unterschiedliche, aber immer wichtige Bedeutung für diese Menschen bedenkt.

Der nächste entscheidende Umstand betrifft die jeweilige geschichtliche Entwicklung der Sprache, die nicht nur die Aussprache von Begriffen ändert – ma´u vergleiche mittelalterliche Texte mit modernen -, sondern auch nicht selten damit deren Bedeutung. So war vor einigen hundert Jahren der Begriff Wyb für eine Frau eine seltene und dann sehr ehrenvolle Bezeichnung, während der heutige sich inzwischen weiterentwickelte Begriff Weib eine eher negative Bedeutung hat. Dass diesem Sachverhalt eine umfassendere, ja geradezu fundamentalere Bedeutung zukommt, als die, die wir hier zunächst erkennen können, müssen wir uns später noch näher anschauen. In diesen Zusammenhang gehören natürlich auch die in allen größeren Ländern existierenden Dialekte, die neben ihren manchmal enormen Unterschieden der Begriffe selbst und ihrer jeweiligen Aussprache, damit durchaus häufig unterschiedliche Inhalte zum Ausdruck bringen. Da jederma´u, der für diesen Bereich offen ist, hier jede Menge Beispiele kennt, erübrigt sich hier ein konkretes Beispiel, da solche darüber hinaus auch noch oft schwer schriftlich korrekt wiederzugeben sind. Allgemein kann ma´u aber davon ausgehen, dass Dialekte deutlicher, insonderheit aber auch die persönlicheren emotionalen Bezüge viel umfassender zum Ausdruck bringende Sprechweise ist, als die sog. Hochsprachen, die eher durch geistige Vorgaben und/oder Absichten dominiert sind. Ganz besonders wichtig ist aber der Unterschied von Begriffen, deren gemeinte Bedeutung sowohl durch Klassenzugehörigkeiten (s.u.) geprägt sind, als auch durch besondere wissenschaftliche und philosophische Sichtweisen. Ma´u spricht ja schon längst von eigenen Fachsprachen, z.B. der Medizin, der Physik, oder der Soziologie und aller anderen selbständigen Wissenschaften. Ein noch größeres Problem stellen die Folgen der ebenfalls seit den Griechen üblichen Verwendung von Abstrakta dar, die insonderheit aus Adjektiven gewonnen werden. Als Beispiel können uns hier die Worte „schön“ und „die Schönheit“ dienen. Zu dem Adjektiv schön hat zweifellos jeder Mensch eine bestimmte, aber eben immer auch höchst subjektive Vorstellung. Ganz entscheidend ist es wahrzunehmen, dass es immer seine/ihre Vorstellungen sind – also seine/ihre „Bilder im Kopf“ – die diese Vorstellungen hervorbringen. Aber der Begriff Schönheit suggeriert, es gäbe eine allgemein gültige Sichtweise auf Umstände des Lebens, die von hierher abgeleitet werden könnten. Dies ist aber völlig unmöglich, da Schönheit entschieden ein Begriff ist, der neben den erwähnten persönlichen Bezügen umfassend durch sowohl zeitliche-, als auch kulturabhängige Sichtweisen bestimmt ist. Diese Abstrakta waren von Beginn ihrer „Schöpfung“ und Anwendung an aus genau diesem Grunde schon immer umstritten und sind es bis heute. Ein weiteres gutes Beispiel bietet hier das Begriffspaar – im Sinne der Gegensätzlichkeit – das Gute und das Böse. Ein in unserem Zusammenhang besonders wichtiges solches Abstraktum ist das Wort Freiheit, das gerade in seiner grundlegenden Unklarheit eines der wichtigsten Worte ist, mit dem wir – hier sind alle Menschen der Erde gemeint – permanent über die wirklichen Verhältnisse in unseren Gesellschaften belogen und betrogen werden, wie ich Ihnen unten, verehrte LeserInnen, noch nachweisen werde.

Und damit sind wir bei der subjektiven Seite dieses Sachverhaltes und damit an dem oben gemeinten Zusammenhang angekommen, dass nämlich diese drei erwähnten Begriffe eben je nach Zeitbezug, Position und daher kommenden Sichtweisen eines/r SprecherIn durchaus gravierende Unterschiede zum Ausdruck bringen können, insbesondere dann, wenn sie gesellschaftliche Interessen der jeweiligen machthierarchischen Verhältnisse besonders bestätigen oder heute meist verschleiern sollen. M.a.W., wenn wir uns mit einer solchen Absicht, wie die hier vorgestellte, diesen genannten Problemen zuwenden wollen, wird es darauf ankommen uns unbedingt die üblichen verwendeten Begriffe und ihre jeweilige Bedeutungen und die damit verbundenen Absichten näher anzuschauen. Allerdings haben wir dann von Beginn an noch ein weiteres großes Problem; alle die im folgenden Text verwendeten Begriffe sind ja nicht nur im Alltagsgebrauch der Umgangssprachen verwendete Begriffe, sondern werden auch – wenn auch manchmal in gegenseitig abweichender Bedeutung – von den unterschiedlichsten Wissenschaften benutzt und darin in aller Regel in deren Verständnis definiert. Aber urteilen Sie selbst ob dies hier auch für Sie nachvollziehbar gelingt. 

Kapitel I Begriffsklärungen 

Wenn ma´u sich mit einem solchen Thema gründlich und kritisch auseinandersetzen will, ist es, wie eingangs erwähnt, unbedingt erforderlich sich die zu verwendenden Begriffe – also sowohl in ihrer üblichen Verwendung, als auch in der hier vertretenen Weise – genauer anzuschauen, da zwar jederma´u glaubt diese zu verstehen, da aber ein Verständnis von Begriffen immer sowohl von der jeweils – der jeweilige LeserInnen oder HörerInnen gemeint – existenten Weltsichtebene (s.u.), als auch der persönlichen Ontogenese geprägt ist, also den je eigenen „Bildern im Kopf“ abhängt, erscheint es unbedingt erforderlich vorab ein möglichst deutlich abgegrenztes Begriffsverständnis anzubieten, das hier dann verwendet wird. Gerade die in diesem Zusammenhang meist verwendeten Begriffe – meist solche schon oben erwähnte Abstrakta – sind häufig sehr unklar und umstritten und darüber hinaus durch ideologische Vorbedingungen – den schon erwähnten subjektiven Bedingungen des Sprachgebrauchs -, darüber hinaus oft eben auch wegen der Verschleierungsabsichten  der jeweiligen Eliten so undeutlich, dass eine solche Klärung auch von daher wichtig ist, um die erhoffte Verdeutlichung zu erreichen. Diese besteht ja gerade darin, die aufgrund genau solcher gesellschaftlicher Vorgänge und Absichten vernebelten oder gar ganz unkenntlich gemachten allgemein verwendeten Begriffe und daher bedingter Zustände durchschaubarer zu machen. Da aber Begriffe allesamt sprachliche Äußerungen sind, müssen wir uns zuerst kurz unsere Sprache, bzw. ihre Entstehung anschauen. Allerdings kann ich als Autor der folgenden Überlegungen nur die von mir dann gemeinten Bedeutungen vorstellen, also keinesfalls versuchen deren „absolute Wahrheit“ zu verkünden, da ja auch die Wahrheit eines dieser Abstrakta ist. Ich kann auch nicht weiter auf anderweitig existierende Meinungen und Definitionen hierzu eingehen, da ich sonst zu jedem dieser Begriffe eine eigens Buch schreiben müsste. Es ist aber seiner Bedeutung halber nochmals unbedingt hinzuzufügen, und gerade die Geschichte der Philosophie beweist dies umfassend, dass jeder Begriff, der insonderheit als Abstraktum von Adjektiven – schön – Schönheit, wahr – Wahrheit – oder Verben – tun – Tun, gehen – Gang – gebildet wurde (s.o.) und von denen wir einige verwenden müssen, als dieses Abstraktum umfassend unklar und daher schon immer umstritten und umkämpft war und ist. Es bleibt selbstverständlich jedem Leser oder Leserin überlassen, ob er/sie diese hier im Folgenden vorgestellten Sichtweisen auf bestimmte Begriffe annehmen will oder nicht. Aber natürlich will der folgende Text grundsätzlich jederma´u nicht nur zum selbständigen Denken einladen, nein dazu unbedingt auffordern, denn es ist ja gerade dieses selbständige Denken, das immer noch mit allen Mitteln verhindert – siehe das allgemeine Bildungssystem (Begründung erfolgt unten) – und bekämpft wird, z.B. durch vereinheitlichte, meist durch bestimmte Interessen bedingter sehr einseitiger öffentlicher Information. Auf diesen Zusammenhang werden wir noch mehrmals zurückkommen müssen. 

a1) Sprache und Denken 

Allen wie auch immer gemeinten oder zu verstehenden Umständen, die uns Menschen begegnen, die wir zu verstehen glauben, oder die wir dann als diese „verstandenen“ weiter-geben wollen und/oder können, liegt unsere alleine menschliche Möglichkeit einer abstraktionsfähigen lautlichen Sprache voraus. Dieser Begriff abstraktionsfähig wird hier deshalb so besonders betont, da ja in der Natur fast alle Spezies Sprachen benutzen, sofern wir Sprache allgemein als lautliche oder allgemein zeichenhafte oder chemische und physische Weitergabe von banalen bis überlebenswichtigen Informationen verstehen, unsere Sprache sich aber eben gerade durch diese Abstraktionsfähigkeit – eine reflektierende Abstraktion, wie dies Jean Piaget nennt (J. Piaget „Meine Theorie der geistigen Entwicklung“ S.118) – in besonderer Weise auszeichnet. Da sich nun aber viele Wissenschaften mit diesem Thema beschäftigen, darüber hinaus die Zahl der unterschiedlichen Sprachen nicht wirklich zu benennen ist – insonderheit wenn ma´u noch die Dialekte mitbedenkt -, kann es natürlich hier nicht die Absicht sein, das Thema Sprache umfassend oder gar erschöpfend zu behandeln. Ich meine ab hier folgende Sichtweise; menschliche Sprachen sind „die Systeme von Einheiten und Regeln, die den Mitgliedern von Sprachgemeinschaften als Mittel der Verständigung dienen“ (Wik.). Aber nochmals, unsere menschliche Sprache ist in Bezug auf Sprachen allgemein gesehen eine besondere, nämlich eine abstraktionsfähige. Warum wird dieser Umstand als einen so besonderen Umstand hervorgehoben? Nun, das hat damit zu tun, dass es besonders diese Sprache ist, die uns letztlich als „Ersatz“ – wobei dieser Begriff hier ein besonderer ist, da dieser „Ersatz“ erst ganz neue Möglichkeiten für uns eröffnet, auf die es ab jetzt ankommt – für unsere ziemlich umfassende Instinktarmut „geschenkt“ wurde und uns dadurch eine völlig neue Rolle in der Evolution „überträgt“. M.a.W., ab hier wird die Überzeugung vertreten, dass dieser Evolutionsschritt – also der weitgehende Verlust der Instinkte und dafür der Gewinn unserer Sprache und daher kommend das abstrahierende Denken – darauf angelegt war, diese reflektierende Abstraktion zu ermöglichen und damit mit Hilfe dieser besonderen Sprach- und Denkfähigkeit Geist – hier im Sinne von mind gemeint – hervorzubringen. Damit ist sie aber auch „das zentrale, jeweils kulturell abgewandelte, soziale Äußerungssystem eines dialogisch verstandenen (menschlichen) Selbstbewusstseins“ (Johannes Heinrichs „Revolution der Demokratie“ S.84) und seiner alleine menschlichen Fähigkeit zur Selbstreflexion.

Dieser Sicht auf die Evolution insgesamt und damit auch auf die von uns Menschen liegt der Erklärungsrahmen auf das Wirkliche zugrunde, der mit dem Begriff der „Großen Kette des Seins“ – siehe hierzu Arthur Lovejoy „Die Große Kette der Wesen“, oder Ken Wilbers Gesamtwerk – bekannt wurde, der ja seinerseits in seinen Grundbezügen auf Platon zurückgeht. Aus dieser Sichtweise folgt aber auch, dass wir einen ganz „neuen“, nur uns Menschen eigenen Zugang zu uns selbst und zu der uns umgebenden Wirklichkeit hervorbringen mussten. Ma´u kann diese Sicht auch so ausdrücken; allen Lebewesen vor uns waren ihre Möglichkeiten und daher kommenden Fähigkeiten den Zugang zu ihrer Umgebung zu gewinnen, umfassend vorgegeben. Bei den tierischen Lebensformen nennen wir diese Instinkte, wobei diese „Ausstattung“ mit zunehmender Entwicklung immer anpassungsfähiger und zuletzt durch zunehmende spielerische Übungen im „Kindesalter“ immer „beweglicher“, vor allem individueller wurde. Darüber hinaus ist aber zum besseren Verständnis der teils weiterreichenden Fähigkeiten als ihnen bisher die Wissenschaften zuerkannten wichtig zu beachten, dass alle Lebensformen – also sowohl pflanzliche als auch tierische – Informationsmöglichkeiten feinstofflicher Art benutzen. Da diese aber weder physisch noch chemisch nachweisbar sind – siehe als ein Beispiel Sheldrakes morphogenetische Felder -, werden sie bisher von der noch immer weitgehend im materialistischen Denken verharrenden Wissenschaften weitgehend ignoriert. Nun ist es aber keineswegs so, dass wir Menschen alle diese neuen Möglichkeiten, die uns die Nutzung dieser abstraktionsfähigen Sprache ermöglicht, von Beginn an umfassend zur Verfügung gehabt hätten. Ja sie waren und sind uns keineswegs, wie ma´u lange glaubte, ebenso angeboren, wie den Tieren die Instinkte. Ganz im Gegenteil müssen wir diese und all das, was ma´u unsere spezifischen Fähigkeiten nennt – die näheren Erklärungen dieses Begriffs erfolgt weiter unten – nach unserer Geburt von ganz vorn, sozusagen ab Punkt Null erlernen. Konstantin Korotkow brachte diesen Umstand mit folgenden Worten präzise auf den Punkt: Nach seiner Überzeugung kann ma´u bei uns Menschen „von einer Informationsevolution der Menschheit sprechen. Es ist keine Evolution des physischen Körpers, sondern eine Evolution des Geistes“ (K.K „Geheimnisse des lebendeigen Leuchtens“ S.128). Es war der schon erwähnte Jean Piaget der diese Sichtweise auf uns bei den Kindern nachwies und wie wir noch sehen werden Claire Graves und Jean Gebser als Grundbedingung unseres Menschseins überhaupt für uns Menschen generell erkannten. Es ist allerdings mehr als bezeichnend für unsere derzeitige Situation – im Sinne von Verständnis derselben insbesondere als wissenschaftliche Erklärung gemeint – , dass diese Erkenntnisse in der öffentlichen Wahrnehmung – genauer müsste ma´u sagen, der Wahrnehmung einer bestimmten paradigmatischen Sicht (siehe Th.S. Kuhn „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“) des materialistisch-naturwissenschaftlichen Denkens der derzeit noch (sie befindet sich in einem schweren Abwehrkampf gegenüber grundsätzlich neuen Sichtweisen auf uns und die Wirklichkeit, den sie aber ebenso verlieren wird, wie seinerzeit die Kirche gegen die neue „objektive“ Wissenschaft) dominierenden Naturwissenschaft – scheinbar auf wenig Gegenliebe stößt. Wir kommen auf diesen Zusammenhang noch mehrfach zurück.

Wie aber entsteht nun eigentlich bei jedem Kind diese Sprache und was macht sie so besonders, dass sie eine je eigene, umfassend individuelle Realität hervorbringt? Alle Lebewesen, insonderheit die sich bewegenden, sind zunächst als biologische Einheiten von ihrer Umgebung abgeschlossene Subjekte – da sie sonst keine wären -, die aber über ihre Sinne (Näheres s.u.), aber auch feinstoffliche Umstände (s.u.) über ihre Grenzen hinaus mit ihrer je eigenen Umgebung in Kontakt stehen. Sie müssen sich an diese je eigene und eigen-artige Umwelt anpassen. Bei den tierischen Lebensformen, zu denen wir, unseren biologischen Bedingungen entsprechend, nach wie vor ja auch gehören, sind nun ihre Reaktionsvoraussetzungen mehr oder weniger – je nach ihrer „Position“ auf der Evolutionsleiter – sowohl durch ihre Sinnes- als auch durch ihre Instinktausstattung vorgegeben. Bei uns Menschen ist diese Instinktausstattung mit wenigen Resten, die wir auch noch – zumindest teilweise – gedanklich beeinflussen können, praktisch nicht mehr existent. Auch unsere Sinnesausstattung ist eine weitestgehend spezifische, insonderheit ihre umfassenden  An- und Verbindungen an und mit unserem Großhirn. Dieser Sachverhalt ist die grundlegende Bedingung der „Aufgabe“, aber auch Möglichkeit aller Neugeborenen, alles was ihnen begegnet sich je individuell lernend anzueignen. Dieser Satz meint mindestens zweierlei; wir müssen es erstens in unserem Gehirn abspeichern – teils auch durch erst erfolgende neue Schaltungen -, um es bei einer Wiederbegegnung erneut zu erkennen, vor allem aber zweitens damit „angemessen“ umgehen zu können. Es gibt nun zwei fundamentale Möglichkeiten für ein Kind mit dem Begegnenden umzugehen; und zwar als „Abbildungen oder Repräsentationen des Wirklichen, und zwar in Form von Wahrnehmungen, Nachahmungen und bildhaften Vorstellungen“ und zweitens die „Überführung eines Objekts in einen anderen Zustand durch die Handlung des Subjekts“, (J.P. hier aus dem Vorwort von Reinhard Fatke S.14f), wodurch in seinem Gehirn neue Strukturen des Umgangs und der daher kommenden Erkenntnis entstehen. In dem obigen Satz enthält der Begriff „angemessen“ die ganze Antwort auf unsere obige Frage. Jean Piaget hat mit seinem Team diesen Prozess über viele Jahre bei Kindern beobachtet und seine Erkenntnisse wie folgt dargelegt. Allerdings können hier jetzt nur wenige zusammenfassende Hinweise gegeben werden. Bei Interesse können natürlich weitere Daten in der Literatur nachgelesen werden. So beschreibt er die lernende Begegnung eines Kindes mit seiner Umwelt – also die „Überführung“ eines Objekts in das Gehirn – wie folgt; alles, auf das ein Kind seine Aufmerksamkeit richtet, mit dem es sich beschäftigt, oder das ihm widerfährt, liefert ihm über seine Sinne Informationen, die es „auffordern“, sich diesen Umstand anzueignen, also zu assimilieren, wie es Piaget ausdrückt. Mit seinen Worten: „Integration externer Elemente in die sich entwickelnde oder abgeschlossene Strukturen (s)eines Organismus“ (S.53). Entscheidend ist nun aber, dass diese Anpassung durch Akkomodation, eben Anpassung oder Angleichung – Piaget – in den bestehenden Strukturen geschieht. Mit seinen Worten: Wir nennen „…jede (im Verhalten erfolgende) Modifikation eines Assimilationsplans <oder einer Assimilationsstruktur>, die durch die von ihr assimilierten Elemente hervorgerufen wird, Akkomodation“ (a.a.O. S.56). M.a.W., jede neu integrierte Information „ist aktive Akkomodation (also aktive den Geisteszustand verändernde Anpassung an das Gelernte) und nicht bloßes Registrieren“ (a.a.O. S.57 Hervorh. PS).

Da dieser Prozess von so fundamentaler Bedeutung für das Verständnis von Lernen und Erkenntnis ist, hier nochmals mit etwas anderer Gewichtung. Ein Kind geht mit seiner Umgebung in dem Sinne eigenaktiv um, indem es z.B. begegnende Gegenstände – etwa Spielsachen – in die Hand nimmt, hin- und herschiebt, verändert, auseinandernimmt und wieder zusammenbaut, usw. Dabei verändert es das Begegnende, aber dieses verändert auch das Kind in dem Sinne, dass es durch diese Assimilation durch die Akkomodation seine geistigen Strukturen dieser Begegnung als Erfahrung anpasst. „Der lebende Organismus ist kein bloßes Spiegelbild der Eigenschaften seiner Umgebung. Er entwickelt vielmehr eine (im Gehirn hervorgebrachte geistige) Struktur, die im Lauf der Epigenese (seiner Entwicklung) Schritt für Schritt aufgebaut wird und nicht vollständig präformiert (vorgegeben) ist“ (a.a.O. S. 48 Hervorh. JP). Die hieraus gewonnen Erkenntnis, ihr Ursprung „liegt weder im Objekt allein (das die Sinne vermitteln) noch im Subjekt, sondern in einer unauflöslichen Wechselwirkung beider“ (a.a.O. S.50 Hervorh. PS.). Der Fortschritt aus dieser Erfahrung hin zum Denken geschieht nun durch Nachahmung und wiederholenden Handlungen. „Nachahmung durch Handlung – eine Akkomodation an Modelle, die gegenwärtig sind (also schon „gelernt“ sind) – weitet sich allmählich zu aufgeschobener Nachahmung und schließlich zu verinnerlichter Nachahmung aus. In dieser letzten Form ist sie der Ursprung von Vorstellungsbildern und der figurativen Aspekte des Denkens“ (a.a.O. S.58). „Wenn nun die(se) Nachahmung differenziert und in Form von Vorstellungsbildern verinnerlicht wird, wird sie auch zum Ursprung von Symbolen und zum Instrument von kommunikativem Austausch, welcher den Spracherwerb ermöglicht“ (a.a.O. S.87 Hervorh. PS.). Sie sind aber andererseits auch die Voraussetzung gedanklicher Operationen. „Aber diese Forschungsarbeiten (an und mit Kindern) haben vor allem die unbedingte Interdependenz (gegenseitige Abhängigkeit) zwischen der Evolution von Vorstellungsbildern und der Entwicklung von Operationen erbracht. Antizipatorische (vorweggenommene) Vorstellungen sind nur möglich, wenn die korrespondierenden Operationen vorhanden sind“ (a.a.O. S.90), die dann in reflektierender Abstraktion von den konkreten Objekten der Erfahrung ablösbar sind und dann für andere erst gedankliche und dann praktische Anwendungen nutzbar werden. Sie sind die Voraussetzung von Wissen allgemein, dann aber insonderheit von Philosophie, Wissenschaft und Technik, aber umfassend auch von Zivilisation. Dass hierdurch im rationalen Denken (s.u.) auch die Abstrakta entstehen, die schon im Vorwort erwähnt wurden, sei aber nicht unerwähnt. Fundamental ist aber noch eine weiter Schlussfolgerung aus dieser Darstellung; alle so gewonnenen inneren Gedankenbilder, als auch Lernerfolge sind umfassend immer nur die eigenen individuellen. Sie sind die Grundlagen „meiner“ Welt und damit meiner Weltinterpretation, also bei jedem Menschen je eigene. Es sind seine/ihre „Bilder im Kopf“ (s.u.).

Betrachtet ma´u sich diese hier aufgezeigte Entwicklung sowohl unserer Sprache, daher kommend unseres Denkens und damit von Erkenntnis überhaupt, wird sofort deutlich, dass die Art und Weise der Organisation unseres Bildungswesens schlicht falsch ist, um nicht noch härtere Worte zu benutzen. Wenn Assimilation und Akkomodation alleine durch möglichst frühen praktischen Umgang eines Kindes mit dem ihm Begegnenden entsteht – und dann ein Leben lang die Voraussetzung von Erfahrung und wirklichem Lernen ist -, dann ist das Lernangebot über Worte und ihre Wiederholung als Voraussetzung von Verständnis schlicht katastrophal, da sich solch „erlerntes“ Vokabular schwer bis gar nicht mit der Akkomodation der Lernenden  verbindet. Es ist längst auch in konservativen Kreisen bekannt, dass das heute geforderte Lernen, besonders aber als Bulimie Lernen gesteigert, nur den Effekt hat, auf möglichst schnell abzuwickelnde Prüfungen vorzubereiten. Die davon betroffenen SchülerInnen haben längst einen Sport daraus gemacht, das zwangsweise Erlernte möglichst schnell wieder zu vergessen. Welchen Zweck aber verfolgt ma´u denn dann mit diesem System? Nun, bei genauerem Bedenken, vor allem aber Berücksichtigen des Umstandes, dass ein zumindest besseres Lernen längst durch wissenschaftliche Forschungen erkannt und belegt ist, lässt sich nur der Schluss ziehen, dass hier klare Absichten dahinter stehen. Wir werden auf diese noch umfassend zurückkommen, da sie ein erster besonders wichtiger Hinweis und Beleg unserer diesem Buch zugrundeliegenden Absicht darstellen.

Was also ist das Besondere an unserer menschlichen Sprache im Unterschied zu einer instinktgesteuerten Zugangsweise auf das Begegnende? Diese ist unsere allem zugrundeliegende Voraussetzung und Möglichkeit der Erkenntnis und damit eines immer umfassender werdenden Verständnisses von uns selbst, als auch allem uns „äußerlich“ Begegnenden. Mit diesem äußerlich ist alles gemeint, was jenseits unserer uns als Subjekt definierender Grenzen liegt, angefangen unserer Mitmenschen, als auch der uns umgebenden Zivilisation, bzw. Kultur, aber auch der Natur. Wichtig ist dabei aber zu beachten, dass heute alles uns äußerlich Begegnende von uns in spezifischer Weise eben durch diese Zivilisation und/oder Kultur (nähere Erklärung s.u.) umgestaltet wurde und mehr denn je wird. Diese gründet umfassend genau auf diesen oben geschilderten Möglichkeiten der uns von unserer Sprache und damit verbundenem Denken gegebenen Wissen und Verständnis dieses allem uns Äußeren. Clifford Geertz hat diesen Zusammenhang in seinem Buch „Dichte Beschreibung“ mit dem Begriff Kultur wie folgt dargestellt: „Ich meine mit Max Weber, dass der Mensch ein Wesen ist, das in selbstgesponnene Bedeutungsgewebe verstrickt ist, wobei ich Kultur als dieses Gewebe ansehe“ (a.a.O. S.9 Hervorh. PS.). M.a.W., die Sprache und das daherkommende Denken hat uns die Möglichkeit eröffnet, nicht nur in dieser Natur zu überleben, sondern diese durch beobachtende und denkende Distanzierung von ihr immer besser zu verstehen. Und dieses von Beginn dieses Prozesses an wachsende Verständnis war die Voraussetzung dieses „Bedeutungsgewebe“ herzustellen, mit dessen Hilfe wir dann diese Natur im Sinne unserer Bedürfnisse umgestalteten. Wir sind dadurch Mitschöpfer geworden, ob immer zu unserem Vorteil wird noch zu zeigen sein. Allerdings ist die Sprache keineswegs alleine auf sprachliche Äußerungen zu reduzieren. Zur Sprache, insonderheit im Sinne einer zwischenmenschlichen-sozialen Kommunikation, zählen alles, was wir im Gesamtzusammenhang einer solchen – hier direkten, gegenüber-stehenden Kommunikation gemeint – sprechenden „Begegnung“ weiterhin an Gesichts- und Körperausdrücken, Emotionen, Bewegungen und möglicherweise Berührungen zum Ausdruck bringen. In einem solchen Sinne ist Sprache noch viel umfassender und offener, als dies oft Sprachwissenschaftler meinen und äußern, vor allem wenn sie nur auf die sprachlichen Äußerungen fixiert sind.

a2) Worte und Be-Griffe 

Vielleicht fällt Ihnen hier zunächst die hier verwendete Überschrift auf, bzw. diese eigenartige Schreibweise der Be-Griffe, die übrigens schon im gleichen Sinne Martin Heidegger benutzte. Was also soll diese Schreibweise anzeigen? Sind denn Worte und Begriffe nicht dasselbe? Keineswegs, und den Unterschied soll diese obige Schreibweise anzeigen. Aber beginnen wir zunächst mit den Worten, denn hier ist der Verstehenszugang – scheinbar – leichter. Im Folgenden geht es vorab nur um gesprochene menschliche Worte. Diese sind die selbständig für sich stehenden und einheitlichen Lautäußerungen, die wir Menschen hervorbringen und die eine eigenständige Bedeutung haben. Wie wir schon mit Piaget erkennen konnten, gingen ihnen – im wirklichen Falle des Verstehens – erfahrungsbewährte Wiederholungen konkreter Handlungen voraus. Gesprochene Wörter bestehen in der Regel aus Silben – manchmal nur eine, siehe das Wort Ton -, die ihrerseits aus einem oder mehreren Lauten bestehen können. Wichtig ist noch zu beachten, dass beim Sprechen und Schreiben hinter jedem Wort eine kurze Pause oder ein Abstand folgt. Wie immer wird bei näherer Beschäftigung mit einer so fundamentalen Handlung sehr schnell deutlich, dass eine einheitliche, alle beteiligten oder interessierten Wissenschaften überzeugende Definition mehr als schwierig ist. So vermeidet der bedeutende Schweizer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure das Wort „Wort“ in seinen Theorien und spricht von Zeichen. Wie immer können wir uns hier nicht näher mit all diesen unterschiedlichen Sichtweisen auseinandersetzen.

 Aber auf de Saussure geht eine besondere Beobachtung, bzw. theoretische Präzisierung zurück, die uns hier besonders interessiert. So unterscheidet er in seiner früheren Phase Worte, bzw. in seinen Worten sprachliche Zeichen, einerseits als Signifikat, als gemeinter Zeicheninhalt – also der be-zeichnete Inhalt eins Wortes bzw. Zeichens in Bezug auf das Objekt oder den Sachverhalt -, aber dann auch als Signifikant, das durch das Wort  hervorgebrachte, bzw. durch das Wort gemeinte Bezeichnende von oder für etwas. Er selbst präzisierte später diese Sicht mit dem Begriff des Sème als die Ganzheit, bzw. die entgegen den Begriffen Signifikat und Signifikant existierende Einheit sprachlicher Zeichen in dem Sinne, dass sowohl die lautliche als auch die gedankliche Seite gleichberechtigt gesehen werden sollen. Ken Wilber greift nun diese frühere Sicht auf, verteilt sie aber in einer neuen Sicht so, dass das von dem/der SprecherIn geäußerte Wort, das ja ihre/seine je eigene Wortbedeutung voraussetzt als Signifikat. Es ist zwar damit das Bezeichnende geäußert, erscheint aber bei dem/der HörerIn im Kopf das Wort jetzt als Signifikant, als das Bezeichnete, das aber ihre/seine Bedeutung, Bild in seinem/ihrem Kopf anspricht. Wichtig ist diese Unterscheidung für Wilber und letztlich generell deshalb, weil damit darauf aufmerksam gemacht wird, dass die jeweils gemeinte Bedeutung des gesprochenen Wortes bei dem/der Sprechenden immer eine andere ist, als bei dem/der Hörenden, was auf dem Hintergrund der obigen näheren Definition nach Piaget des Wissens als je individuelles ja auch selbstverständlich ist. Dieser Umstand macht darüber hinaus darauf aufmerksam, dass uns dieser Unterschied üblicherweise völlig unbekannt ist. Bedenkt ma´u noch, dass die ganz konkrete Wirklichkeit des bezeichneten Gegenstandes oder Sachverhaltes nochmals davon verschieden ist, wird erst das Problem von Sprache so richtig deutlich. Da hilft auch nicht eine Berufung auf Ludwig Wittgensteins Auffassung, die Bedeutung eines Wortes sei gleich seinem Gebrauch, denn diese Bedeutung ist, wie eben schon betont, stets eine persönliche, was ja im Gebrauch oft zu Missverständnissen führt, weil eben die jeweiligen Bedeutungen keineswegs bei einer Sprecher/in oder dann Hörer/in die Gleichen sind. Das Thema der Bedeutung werden wir uns im nächsten Kapitel kurz näher anschauen. Das ganze Problem, das hier eben mit den letzten Bemerkungen zum Vorschein kommt, wird noch deutlicher, wenn wir uns jetzt dem Be-Griff zuwenden.

Es kann nun erneut nicht die Absicht sein, die philosophische Geschichte, die mindestens bis Sokrates zurückreicht, oder inhaltliche Kontroversen zu diesem Thema aufzugreifen. Es wird sich eh schnell zeigen, dass hier ein ganz besonderer Blick zugrunde liegt, wie sowohl die Überschrift dieses Kapitels, als auch der obige umfassende Verweis auf Piaget zeigt. Es geht hier insonderheit um ein Verständnis von Begriffen, die von der grundlegenden Art und Weise ihres Erwerbs herrühren, nämlich vom be-greifen. Also konkret, dass Be-Griffe aus den ganz direkten und praktischen Zu-Griffen – ob praktischer oder geistiger Art ist dabei unerheblich, wobei die letztere Möglichkeit ab der Stufe form-op (s.u.) die normale ist – auf Gegenstände oder Sachverhalte be-griffen werden. M.a.W., nach dem hier folgenden Verständnis sind Be-Griffe die Handlungs- und daher kommende Erfahrungs- und dann Denk-Folgen, die aus einer ganz persönlichen Auseinandersetzung mit diesen entstehen. Sie sind es, die die aus diesem ganz konkreten Umgang herkommenden Erfahrungen und/oder Vorstellungen im Geist durch Assimilation und Akkomodation entstehen lassen und dann diese Vorstellungen oder die dadurch „erfahrenen“ Dinge mit Hilfe eines Wortes selbst bezeichnen. Es ist nun von entscheidender Bedeutung sich darüber bewusst zu sein, dass ein solcher Be-Griff immer ein ganz persönlicher ist, sprich dieser einer handelnden oder denkenden Person zukommt, denn er ist durch diese geistige Veränderung in seinem/ihrem Gehirn als diese persönliche Erfahrung hervorgekommen und von daher präsent. Zu beachten ist aber natürlich auch, dass solche Erfahrungsaktionen grundsätzliche immer zunächst, wie eben gezeigt, persönlicher Natur sind, die aber ab jetzt umfassend von der „be-handelten“ Natur getrennt sind. Um es mit William James auszudrücken: „Vielleicht ist nirgends mehr an Realität in einem Bewusstsein auf einmal zusammengefasst, als in der Erfahrung; aber in dem Vorüberziehen dieser einzelnen Erfahrungen bekommen wir eine Fülle des Inhalts, die durch Begriffe nicht erschöpfend beschrieben werden können. Gewiss, durch ihre Namen (Be-Griffe) werden sie in gesonderte begriffliche Wesenheiten (von den äußeren) getrennt, aber in ihrer ursprünglichen Kontinuität (also ihres „natürlichen“ Umfeldes) gab es keine Einschnitte“ (W.J. „Das pluralistische Universum“ S.183 Hervorh. PS) Diese Erfahrungen werden aber dann natürlich immer durch die hierfür üblichen Worte benannt, die aber ihrerseits in jeder Gesellschaft eigene sind. Diese kommen nun ihrerseits aus einer allgemein existenten gesellschaftlich-geschichtlichen Imagination (s.u., vor allem Castoriadis) – in jeder Gesellschaft verlaufen diese anders –, nämlich deren aktivem Wortschatz, hervor. Dadurch wird nun ihrerseits umfassend die persönliche Entwicklung bei jeder betroffenen Person entscheidend mitgeprägt. Max Horkheimer bringt diesen Sachverhalt in seinem Buch: „Traditionelle und kritische Theorie“S. 217 mit folgenden Worten auf den Punkt: „Die Tatsachen, welche die Sinne uns zuführen, sind in doppelter Weise gesellschaftlich präformiert: durch den geschichtlichen Charakter (und zwar im persönlichen, wie gesellschaftlichen Sinne) des wahrgenommene Gegenstandes und den geschichtlichen Charakter des wahrnehmenden Organs“, also des der wahrnehmenden Person. Daraus ergibt sich aber auch, dass sich sowohl Wahrnehmung und damit einhergehend auch die Möglichkeit, neue Begriffe bilden zu können, sich durch diesen Ablauf immer mehr ausdifferenziert, aber eben auch, dass sie immer noch und nach wie vor vor allem und zuerst ganz persönliche bleiben, aber auch immer von der Wirklichkeit getrennt sind und bleiben. Es ist inhaltlich eben genau das gemeint, was ich in meinen Büchern mit dem Begriff „Bilder im Kopf“ – also die je eigenen eines jeden Menschen – bezeichne.

 Aber nochmals; in Bezug auf die Sprache und damit der allgemeinen Verständigung ist es wichtig sich bewusst zu machen, dass ein solcher Begriff, wie eben schon gezeigt, immer durch ein Wort oder ein Zeichen be-zeichnet wird, das manchmal auch ein Symbol sein kann. Ja er kann sogar mehrere Benennungen haben, sowohl durch verschiedene Wörter in der eigenen Sprache, als auch in einer anderen Sprache. Aber all dies macht letztlich darauf aufmerksam, dass die Bedeutungen der Begriffe zunächst je eigene sind und wenn ich einen solchen „eigenen“ Begriff mit einem ihm in „meiner“ Sprache zugehörigen Wort äußere – Signifikat -, habe ich in meinem Kopf mein ganz eigenes Bild dazu, das natürlich nie das gleiche ist, wie das im Kopf der/des Hörenden – Signifikant, verschieden ist, das aber darüber hinaus immer auch von dem Referenten, oder dem „umgebenden Wirklichen“ getrennt bleibt. Ja das geht so weit, dass es in jeder Sprache viele Worte gibt, die ihrerseits in ihren Bedeutungen durch die in der Gesellschaft existenten Klassen oder Kasten und deren ganz spezifischen Erfahrungen sehr unterschiedlich sein können. Diesen sehr spezifischen Sachverhalt macht nun, wie eben schon erwähnt, Wilber mit den von de Saussure entlehnten Begriffen Signifikat – bei dem/der Sprechenden – und Signifikant – bei dem/der Hörenden – deutlich und er fügt hinzu – wie bisher immer auch betont -, dass beide nun aber keineswegs mit dem Referenten – also dem eigentlich in der Wirklichkeit existierenden Gemeinten, vielleicht ein Baum – identisch sind. „Mein“ erinnerter Baum, der aus meinen ganz persönlichen Erfahrungen mit Bäumen entstand – wenn ich z.B. in einem speziellen Falle ein Waldarbeiter bin -, ist nämlich niemals identisch mit dem erinnerten Baum der Person – z.B. einem Büromenschen, oder gar einer Person der jeweiligen gesellschaftliche Eliten -, der gegenüber ich das Wort Baum benutzt habe. De Saussure meinte zwar mit diesen beiden Begriffen nicht dasjenige, was eben mit Wilber ausgeführt wurde. Da aber diese jetzt so näher bezeichneten Begriffe diesen hier in besonderer Weise betonten Umstand im Bezug zu den Unterschieden zwischen Worten und Begriffen, als auch einer Zuordnung zu konkreten Personen, besonders erhellen, werden im Folgenden diese in diesem Sinne benutzt. Um es nochmals zusammenfassend auf den Punkt zu bringen; Begriffe sind durch be-greifende Erfahrungen entstanden und sind immer mit all den dabei erlebten und durch diese hervorgebrachten „anpassenden Veränderungen“, den Akkomodationen verbunden. Sie sind damit „ein Teil“ von mir, sie sind für immer mit mir verbunden, da sie der Ausdruck dieser Veränderungen „in mir“ sind. Sie sind ab jetzt meine Realität, auch wenn diese in diesem Prozess durch die gesellschaftlich-geschichtliche Imagination mitgeprägt ist. Mit dieser Bemerkung wird hier aber deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ab hier die dafür verwendeten Worte, die ja diesen Be-Griff ausdrücken, nicht mehr eine an sich seiende Wirklichkeit meinen, sondern eine durch mein – im Sinne von jedweder Person gemeint – Einwirken und durch diese entstandene Veränderung in „meiner“ „Wahr“-Nehmung entstandene neue Wirklichkeit. Worte sind eben immer nur die äußere lautliche – oder schriftliche – Benennung. Wenn aber wirkliches Lernen nach den Beobachtungen Piagets nur auf diese persönlichen Erfahrungen zurückgeht – also solches Lernen, das sich mit dem/der Lernenden innerlich verbindet -, dann ist das leider immer noch allgemein übliche Lernen eines, das in den allermeisten Fällen völlig nutzlos ist, weshalb es auch die Lernenden so schnell wieder vergessen. Um es mit den Worten des Physikers Otto Hahn auszudrücken – sinngemäß – „Wir wissen viel, verstehen aber wenig“. Wir werden noch ausführlich auf diesen Zusammenhang zurückkommen müssen, wenn wir unsere „derzeitige gesellschaftliche Realität“ wirklich verstehen wollen. Auch hier ist noch anzufügen, dass die heute üblichen Abstrakta (s.u.) zwar hierher gehören, aber gerade aus diesem Zusammenhang der persönlichen Erfahrung besonders meinen „Bildern im Kopf“ entsprechen. Daraus folgt, dass ihr ja üblicher Gebrauch einer der wichtigsten Voraussetzungen von daherkommenden Missverständnissen ist, ohne dass uns dies normalerweise bewusst würde. Wenn ja, dann kommt solches meist erst in näheren Auseinandersetzungen um einen solchen Begriff zum Vorschein. 

a3) Bedeutung 

Bevor wir uns konkret mit dem noch näher zu untersuchenden obigen Zitat beschäftigen können, müssen wir uns noch kurz den Begriff der Bedeutung ansehen, da erst dieser die hier angestrebte Klärung abschließen kann. Zunächst ist auch hier anzumerken, dass die Überlegungen und damit beginnenden Diskussionen einer Bedeutung eines Wortes oder eines Umstandes ebenfalls bis an die Wurzeln der westlichen Philosophie, also den Griechen zurückgehen. Aber wir können hier die vier wichtigsten Arten eines Bedeutungsverstehens angeben und kurz anmerken in welchem Sinne diese im folgenden Text verwendet werden. Damit ist aber auch schon die hier verfolgte Absicht erreicht. So lesen wir bei Wikipedia dazu folgendes; unter Bedeutung versteht ma´u:

· das Wissen über die übliche Verwendung eines Wortes oder Ausdrucks innerhalb einer Sprachgemeinschaft und eines jeweils gegebenen Kontextes.

· das, was jemand aufgrund eines Zeichens oder eines sprachlichen Ausdrucks versteht.

· unter Referenztheorie versteht man die Auffassung, dass Bedeutung das Objekt ist, das mit einem Wort bezeichnet wird.

· in der lexikalischen Bedeutungstheorie drückt man die Bedeutung aus durch eine Liste von Eigenschaften, die einen Begriff umfasst.

Beginnen wir bei der ersten näheren Angabe. Natürlich geht jedes Mitglied der deutschen Sprachgemeinschaft davon aus, dass Sie, verehrte LeserInnen, die übliche Bedeutung eines hier benutzten deutschen – allerdings manchmal auch eines benutzten Fremdwortes oder gar Abstraktums, wenn dieses in der meist üblichen Art der Kommunikation benutzt wird – Wortes verstehen. Allerdings macht der hier durchgeführte Klärungsversuch auf die üblichen, aber meist übersehenen Probleme einer solchen Verstehens-Voraussetzung aufmerksam. Er zeigt aber auch, dass solche „Gespräche“ meist in einem relativ oberflächlichen Bereich ablaufen, die weder einer wirklich kritischen Analyse des erwähnten Sachverhaltes standhalten, noch von allen in gleicher Weise verstanden werden. Auf diesen Umstand wurde schon mehrfach hingewiesen und es werden gleich noch weitere Zusammenhänge aufgezeigt, die diesen Sachverhalt noch umfassender belegen. Genau dieser Tatsache trägt ja aber auch schon der zweite oben aufgezählte Fall von Bedeutung Rechnung. Was jemand unter einem Wort oder einem Zeichen versteht, ist zwar die übliche Bedeutung dieses Wortes oder Zeichens für ihn oder sie. Wie wir aber oben mit den Begriffen Signifikat, Signifikant und Referent, aber auch dem Problem des Abstraktums gesehen haben, sind diese in aller Regel sowohl für den „Sendenden“, den/die „Empfangende/n“, aber auch in Bezug auf den Referenten keineswegs deckungsgleich. Und genau diesen Umstand macht nun der Punkt drei, bezogen auf die Referenztheorie deutlich. Hier geht es also immer um ein Objekt, oder manchmal auch Sachverhalt, der/das als bezogener Referent gemeint ist. Wichtig ist aber festzuhalten, dass selbst ein direkt gegenwärtiges Objekt, auf das ein Wort oder Zeichen hinweist, keineswegs bei allen an dem Gespräch Beteiligten, wie oben schon deutlich gezeigt, die gleichen Assoziationen hervorruft und damit die gleichen Bedeutungen hat, siehe auch das noch mehrfach aufzugreifende Problem der „Realität“. Wie oben ausführlich dargelegt, hängen diese allesamt umfassend mit der je eigenen Ontogenese eines Menschen zusammen und entsprechen immer deren/dessen „Bildern im Kopf“, aber natürlich allen daraus herkommenden gesellschaftlich-geschichtlichen Veränderungen innerhalb der je gemeinten Gesellschaft. Dies kann auch der vierte obige Punkt nur bedingt verbessern. Natürlich grenzen eine Liste von Eigenschaften eines Objektes ein jeweiliges solches Bild ein. Aber mit dem Begriff der Bedeutung sind ja auch Erkenntnisse und Bezüge gemeint, die zwar momentan oft keine Rolle spielen brauchen, die aber aus der je eigenen Erfahrung der Beteiligten, noch mehr aber den Bedeutungsveränderungen innerhalb der Gesellschaft erwachsen und damit ein zukünftiges Urteil oder gar Handlung in spezifischer Weise beeinflussen bis determinieren.

Einen Umstand, auf den ebenfalls de Saussure deutlich hingewiesen hat, gilt es aber unbedingt noch zu erwähnen. Es gibt keinerlei zwingende Gründe, warum einem bestimmten Bezeichneten – also einem bestimmten Objekt – immer ein bestimmtes Zeichen oder Wort zugeordnet wird. Es gibt eben keine wie auch immer geartete innere Verbindung zwischen ihnen. Es ist sozusagen in einer Sprache völlig frei, welches konkrete Wort oder Zeichen eine bestimmte Sprachgemeinschaft irgendwann oder auch momentan – wenn dieses Objekt bis dato noch unbekannt war – einem solchen Objekt gibt oder gegeben hat. Er benutzte dafür den Begriff Arbitrarität, was ma´u im Deutschen mit Beliebigkeit bzw. Willkür übersetzen kann. Aber damit ist immer nur die Freiheit in Bezug auf das verwendeten Zeichen gemeint und nicht das zu bezeichnende Objekt. Also nochmals, die Bedeutung eines Wortes oder Zeichens ergibt sich nur und ausschließlich aus dem Referenten und meinen Bezügen dazu aus meinen „Bildern im Kopf“, aber sonst nirgendwoher, eben auch nicht aus bestimmten Bedingungen der benutzten Sprache. Wie schon oben angemerkt ist sowohl der Umstand, dass verschiedene Sprachen für einen bestimmten Referenten ganz unterschiedliche Worte oder Zeichen benutzen, als auch der Umstand, dass sich die Bedeutung von Zeichen und Worten mit der Zeit verändert ein Beleg für diesen Sachverhalt und dies gilt für alle Sprachen, allerdings auch immer dann, wenn hinter solchen Veränderungen bestimmte Absichten stecken (s.u.). 

a4) „derzeitige gesellschaftliche Realität“

Hier soll es also jetzt um die später dann immer gemeinten Bedeutungen dieser Begriffe gehen. Aber nochmals ganz deutlich; es sind die Begriffe im oben näher beschriebenen Sinne, „die wir gemacht oder erfunden haben, um unsere Erfahrung (!!!) von der Welt und von uns selbst zu artikulieren“ (Peter Bieri „Das Handwerk der Freiheit“ S.153), die uns alleine in die Lage versetzen uns und diese Welt wirklich zu verstehen – zumindest im Sinne einer Einordnung oder Beziehung zu unseren „Bildern im Kopf“, was sie aber eben immer nur zu unserem je spezifischen bzw. persönlichen Verstehens-Gegenstand oder Umstand macht -, da sie in uns zu anpassenden Akkomodationen und damit echtem Verständnis führten, bzw. führen können. Aber gerade hier steckt noch ein weiterer Umstand „dahinter“. Begriffe haben wir ja zunächst „im Alltag“ hervorgebracht und benutzen sie daher auch in dem für uns zugänglichen Sinne, ohne uns über all diese hier ausgebreiteten Verhältnisse Gedanken zu machen. In einem Text aber, der eine gewisse Allgemeingültigkeit bezweckt, müssen wir diese dann, wie oben begründet, unbedingt in ihren beabsichtigten Bedeutungen präzisieren, da Sie sonst nicht wirklich verstehen könnten, was hier konkret dargelegt werden soll. Wir werden auf diese Zusammenhänge weiter unten noch mehrfach eingehen müssen.

Beginnen wir nun unter dieser Blickrichtung bei dem Begriff „derzeitig“. Der-zeit-ig ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein zeitbezogenes, bzw. einen bestimmten Zeitpunkt – die Gegenwart – definierendes Pronomen, das auf die heutzutage übliche Meinung und Bedeutung der folgenden Begriffe des ausgesprochenen Satzes, meist des darin verwendeten Substantivs, verweist. Damit ist ausgesagt, dass es in dem Satz um die jetzt, bzw. heutzutage übliche Bedeutung und daher kommende Meinung des dann folgenden Adjektivs – hier gesellschaftlich – und/oder Substantivs – hier Realität -, geht. Wie wir bei der näheren Betrachtung dieses Begriffs Realität noch sehen werden, ist das ein sehr wichtiger Hinweis, da dieser Begriff ganz bestimmte wissenschafts- und auch machtorientierte Bezüge enthält. Oder anders gewendet, wird damit umfassend auf die heute übliche Bedeutung dieses Begriffs verwiesen. Das Wort „derzeitig“ verweist aber unausgesprochen ganz besonders darauf, dass das folgende Wort „gesellschaftlich“, insonderheit aber das dann folgende Substantiv „Realität“ umfassende und tiefgehende Bezüge zur verlaufenden Zeit, oder mit dem hier passenderen Begriff benannt, der Geschichte hat. Wir werden uns dies jetzt zunächst bei dem Begriff gesellschaftlich, bzw. Gesellschaft, auf das es ja auch verweist, näher anschauen.

Da nun aber alle Begriffe, die eine besonders wichtige Bedeutung in Bezug auf allgemeine Erklärungsansprüche in den verschiedenen sich heute damit beschäftigenden Wissenschaften haben, wollen wir uns speziell nur mit dem Begriff Gesellschaft beschäftigen, der sich auf eine Gruppe von Menschen bezieht, die innerhalb eines abgegrenzten, in bestimmter machtmäßiger Weise definierten staatlichen Bereiches leben. Es ist die Bedeutung des Begriffs gemeint, die manchmal auch mit den Begriffen Volk oder eine Ethnie angesprochen wird. Damit sind alle weiteren Begriffe, die sowohl in der Soziologie und den anthropologischen Wissenschaften allgemein, aber auch in der Biologie, der Ökonomie oder neuerdings in Bezug auf soziale Netzwerke verwendet werden ausgeschlossen. Betrachten wir uns zunächst seine mögliche sprachliche Herkunft und die heutige rechtliche Bedeutung.

Üblicherweise schaut ma´u heute in Wik. nach und da kann ma´u folgendes lesen: „Gesellschaft bedeutet wörtlich den Inbegriff räumlich vereint lebender oder vorübergehend auf einem Raum vereinter Personen. Der Begriff ist unmittelbar wahrscheinlich von Geselle bzw. von Gesellenschaft abgeleitet. Gesellenschaft war der Zusammenschluss von Gesellen zur Durchsetzung von Forderungen zur Änderung der von den Zunftmeistern bestimmten Arbeitsbedingungen. In der neuzeitlichen Rechtsentwicklung hat sich die Rechtssprache (zu diesem Begriff) als wertungsfreier Gruppenbegriff durchgesetzt“. Abgesehen von dem ersten und dem letzten Satz ist nach meiner Überzeugung damit das Wort Gesellschaft keineswegs in seiner Herleitung zutreffend beschrieben, bzw. nachvollziehbar, insonderheit dann nicht, wenn durch diese ihre dahinterstehende Entwicklung zu erkennen sein soll. Leider ist es aber erneut unmöglich auf den gesamten gesellschaftlichen Veränderungsprozess einzugehen, der zur „modernen Gesellschaft“ führte. Diesen hat für mich absolut überzeugend Hannah Arendt in ihrem Buch „Vita activa“ umfassend ausgeführt. Ich beziehe mich daher im Folgenden mit einigen kurzen Zitaten auf diese Beschreibung der Entstehung einer neuartigen „gesellschaftlichen Realität“. So lesen wir auf S.47f: „Der Raum des Gesellschaftlichen entstand, als das Innere des Haushalts (also des davor allgemein gültigen Privatbereichs des menschlichen Lebens) mit den ihm zugehörigen Tätigkeiten, Sorgen und Organisationsformen aus dem Dunkel des Hauses in das volle Licht des öffentlich politischen Bereichs trat. Damit war nicht nur die alte Scheidelinie zwischen privaten und öffentlichen Angelegenheiten verwischt, sondern der Sinn dieser Begriffe wie die Bedeutung, die eine jede der beiden Sphären für das Leben des Einzelnen als Privatmensch und als Bürger eines Gemeinwesens hatte, veränderte sich bis zur Unkenntlichkeit“. M.a.W., das private Handeln und Arbeiten, ja in manchen Bereichen sogar das neuartige Herstellen von Waren (s.u.) und damit der eigentliche Lebensprozess, der ja bis zum Ende des Mittelalters wesentlich in den Privathaushalten getätigt worden war, wurde durch die sich entwickelnden neuen gesellschaftlichen Lebensformen „selbst in den verschiedensten Formen (siehe als ein Beispiel das sich in dieser Zeit entwickelnde Verlagswesen) in den Raum des Öffentlichen hineingeleitet“ (a.a.O. S.58). Frau Arendt begründete und belegte diesen Prozess in diesem Buch über viele Seiten. Sie benutzt dabei, auch als Beleg, eine wie ich finde zutreffendere Herkunft des Wortes Gesellschaft, die die eben kurz angerissene Entwicklung wesentlich besser abbildet. So lesen wir als Rückbezug dieses Wortes auf frühere Lebensverhältnisse in der Anmerkung Nr.20 II. Kapitel zitiert nach Theodor Eschenburg: „Es ist eine Verbindung der Vorsilbe Ge, die Gemeinschaftsverbindungen ausdrückt, mit dem Wort Saal, der alten Bezeichnung für das germanische Einraumhaus… Gesellschaft war die Saalhausgemeinschaft“. M.a.W., da diese ehemalige „Saalhausgemeinschaft“ durch die moderne Entwicklung zunächst des Handels und dann der Herstellung – zunächst als Verlagswesen, dann Manufakturen mit der hierfür typischen Arbeitsteilung und dann die Entwicklung der fabrikmäßigen kapitalistischen Produktion, die ja ab jetzt auf der „öffentlichen“ Arbeit beruht – immer mehr in den Blich der Öffentlichkeit „hineingeleitet“ wurde, wurde für diesen immer allgemeiner werdenden Zustand der Begriff der Gesellschaft immer üblicher, bis er der alleinige zur Beschreibung unserer neuen menschlichen Verhältnisse wurde.

Dass sich aber dieser Begriff letztlich umfassend durchsetzte, hat aber noch einen anderen Grund. Das sich parallel zu diesem Prozess entwickelnde Bürgertum, das ja für diesen hauptverantwortlich war (Begründung s.u.), konstruierte in ihrem „Kampf“ mit dem Adel um ihre standesmäßige Anerkennung einen Dualismus der Begriffe Staat und Gesellschaft in dem Sinne, dass der Begriff Staat für den existierenden Absolutismus verwendet wurde. Der Begriff Gesellschaft, oder dann speziell bürgerliche Gesellschaft, diente ab dann als Gegen- und zunehmend als Kampfbegriff gegen diesen Feudalstatt und zu dessen Überwindung. Die Herkunft dieser Entwicklung entstammt den Ideen der seit dieser Zeit bestehenden Aufklärung und zwar in Richtung einer „vernunftgemäßen Regierung“ und nicht einer willkürlichen Regierungsform oder gar Diktatur (s.u. insbesondere der Diskurs zur Geschichte der Idee der Demokratie). Der endgültige Durchbruch dieser Ideen erfolgte dann durch die Französische Revolution, die ja den Absolutismus zumindest in Frankreich – zunächst vorübergehend und etwas später endgültig – abschaffte – mit einigen ganz wichtigen Vorläufern, wie England, Holland oder insonderheit der Schweiz -, was aber dann Stück für Stück auch im restlichen Europa gelang. Ab da wurde der Begriff Gesellschaft grundlegend für die politische Philosophie des Liberalismus und da sich dieser in den westlichen Gesellschaften immer umfassender durchsetzte, wurde es immer normaler, die menschlichen und institutionellen Zustände und Verhältnisse innerhalb der jeweiligen Staatsgrenzen so zu benennen. Eine ganz passable Definition geht übrigens auf Karl Marx zurück, der sie als „die Gesamtheit der Verhältnisse zwischen den Menschen, also die Summe der Beziehungen und der Verhältnisse unter den Individuen und nicht die Individuen als solche“ bezeichnet. Damit ist jetzt zwar der Begriff einschließlich seiner Herkunft einigermaßen angegeben, aber noch wenig über sein teils ganz unterschiedliches Verständnis gesagt, das sich insbesondere in der Soziologie entwickelte, aber nicht nur da. Das wollen wir uns aber in einem Kapitel, das sich speziell mit „der Gesellschaft“ beschäftigt näher anschauen. Damit kommen wir zu dem Begriff der Realität.

Was ist also Realität? Die Realität zählt schon lange zu den wichtigsten Begriffen der Philosophie und zwar von Beginn an als Abstraktum von real. Damit ist er aber gleichzeitig einer der umstrittensten mit solch grundlegender Bedeutung. Und genau dieser Umstand ist sehr bedenklich. Grundbegriffe, auf die sich sehr viele Aussagen von welchem Zusammenhang auch immer beziehen, sollten möglichst klar und eindeutig sein. Um das Problem etwas angenähert anzugeben hier eine kurze Besinnung. Was ma´u unter real versteht ist für jeden Menschen in seinen „Bildern im Kopf“ mit je eigenen Erfahrungen verbunden, da dieses Wort ja mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Laufe der Sozialisation eines jungen Menschen zumindest bei uns in Europa benutzt wurde, um direkt anwesende oder klar definierte und daher bekannte Objekte oder Sachverhalte zu benennen. Damit ist aber noch gar nichts über einen Abstraktionsbegriff ausgesagt, der ja eine umfassende, immer gültige Ableitung aller realer Umstände oder Vorkommnisse liefern soll. Und genau hierher, aus dieser eigentlich für all diese Abstrakta geltenden Schwierigkeit bis Unmöglichkeit solches zu leisten, kommt auch das Problem einer eindeutigen Definition von Realität. Wie können wir also verfahren?

Natürlich ist es auch hier völlig unmöglich eine umfassende Klärung dieses Begriffes zu gewinnen, weil dazu bestimmte philosophische Positionen gehören, von denen her er entstand und auf die er sich nach wie vor vor allem und zuerst bezieht. Das kritisch zu hinterfragen ist hier unmöglich, da unsere eigentliche Absicht in eine ganz andere Richtung geht. Wir müssen ihn daher hier insonderheit in dem Sinne eingrenzen, in dem wir ihn benutzen wollen, nämlich bezogen auf die „gesellschaftliche Realität“. Um dies zu können, müssen wir versuchen diese spezielle Bedeutung näher zu beschreiben. Wir gehen dazu zunächst von einem Begriff der Realität aus, worin er als Gegenstand des individuellen Bewusstseins aufgefasst werden kann, m.a.W., alle Umstände, die durch persönliche Erfahrungen mit den gesuchten Verhältnissen in diesem existieren und die dabei hervorgebrachten Akkomodationen meint. Allerdings beziehen diese sich in unserem Zusammenhang eben aus der oben getroffenen Einschränkung vor allem und zuerst auf soziale Tatbestände, also solche, die wir in Bezug auf die Betrachtung einer Gesellschaft, wie wir sie oben annähernd beschrieben haben finden können. Damit haben wir aber von Beginn an – wie bei jeder Sicht auf „die Realität“ – ein grundlegendes Problem, das übrigens für alle Begriffe gilt, die sich mit Kenntnissen oder Daten in unserem Kopf beschäftigen. Um hier ein einigermaßen gesichertes Fundament zu finden, gilt es hier unbedingt mindestens zwei wichtige Vorbedingungen zu beachten; erstens, wie kommen sie dort hinein und zweitens, wie werden in dem jeweiligen Gehirn die „eingehenden“ Daten interpretiert, denn unsere „Bilder im Kopf“ (siehe oben und in allen meinen früheren Büchern) sind prinzipiell unsere je eigenen, die auf der Grundlage unserer gesamten Ontogenese gebildet werden (s.o.). M.a.W., alles was wir in unserem Kopf mit uns herumtragen – also unsere je eigenen „Bilder im Kopf“ -, ist als je persönliche Interpretation aller über unsere Sinne aufgenommenen Daten auf der Grundlage aller bisheriger Kenntnisse und Erfahrungen von Beginn unseres Lebens an zu verstehen, die in unserer Gegenwart als real bezeichnet wurden. Damit sind sie prinzipiell alle individuell, denn sie wurden immer, um es nochmals nachdrücklich zu betonen, umfassend durch die je eigenen Erfahrungen und erlernten Sichtweisen „auf die Welt“ entsprechend diesen Voraussetzungen von „mir“ interpretiert. Das ist die eine Seite des Problems. Wie aber kommen sie in unseren Kopf hinein?

Nun, oben wurde schon betont „über unsere Sinne“. Was meint das aber konkret? Der erste alles entscheidende Umstand, den es in diesem Zusammenhang zu beachten gilt, ist der, dass unsere Sinne aus der allgemeinen Lebensevolution hervorgegangen sind. Mit diesem Satz ist aber auch ausgesagt, dass diese unsere Sinne nicht dazu „erfunden“ wurden, um den jeweiligen Tieren „Wahrheiten“ zu vermitteln, was immer ma´u auch darunter verstehen mag (s.u.), sondern einzig und alleine um diesen Tieren ihr Überleben zu gewährleisten. Wie wir heute wissen, führte dieser Umstand dazu, dass alle Sinne bei unterschiedlichen Spezies sehr unterschiedliche Fähigkeiten und Leistungen hervorbrachten. So sind viele dieser Sinne bei vielen Tieren sehr häufig entweder besser – was sich allerdings in der Regel auf spezielle Fähigkeiten bezieht, wie z.B. Hören oder Sehen, aber auch andere –, als bei uns Menschen, oder teilweise ganz anders. Ma´u vergleiche hier bestimmte Farbsichtweisen insonderheit bei Insekten, oder besseres allgemeines Sehvermögen – siehe manche Vögel oder Katzenartige – oder gar andere Möglichkeiten – vergleiche hierzu z.B. das Hörvermögen bei Fledermäusen. Alle aber interpretieren und/oder wählen immer nur bestimmte Bereiche eines umfassenderen Angebots an Datenüberträgern, wie z.B. Schwingungen – Hören und Sehen, oder manchmal auch Fühlen, z.B. unter Wasser – oder chemische Stoffe – Riechen – aus, übergehen aber andere, oder klammern sie gar ganz aus.

Es war kein geringerer als Kant, der diesen hier in aller Kürze dargestellten Zusammenhang deutlich hervorgehoben hat. So lesen wir in der „Kritik der reinen Vernunft“ auf Seite 61: „Auf welche Art und durch welche Mittel sich auch immer eine Erkenntnis auf Gegenstände beziehen mag, so ist doch diejenige, wodurch sie sich auf dieselbe unmittelbar bezieht, und woraus alles Denken als Mittel abzweckt die Anschauung. Diese findet aber nur statt, sofern uns der Gegenstand gegeben wird, dieses aber ist wiederum, uns Menschen wenigstens, nur dadurch möglich, dass er das Gemüt auf gewisse Weise affiziert (auf dieses über die Sinne – siehe sein Begriff der Sinnlichkeit – einwirkt). Vermittels der Sinnlichkeit (also der Sinne) also werden uns Gegenstände gegeben, und sie allein liefert uns Anschauungen; durch den Verstand aber werden sie gedacht (oder interpretiert), und von ihm entspringen Begriffe. Alles Denken aber muss sich, es sei geradezu oder im Umschweife, vermittelst gewisser Merkmale zuletzt auf Anschauungen, mithin bei uns auf Sinnlichkeit beziehen, weil uns auf andere Weise kein Gegenstand gegeben werden kann“. Bedenken Sie aber, dass es sich hierbei eben zuvörderst um Gegenstände handelt, nicht aber um gesellschaftliche Verhältnisse. In unserem Zusammenhang aber ist es wichtig anzumerken, dass dieser auf so „gegebene“ Gegenstände bezogene Anschauungsbegriff auf eine Sicht der Wirklichkeit im Sinne abgegrenzter Objekte ohne weitere Bezüge auf was auch immer auf die griechische Philosophie zurückgeht, die damit auch die Basis des hier anstehenden Realitätsbegriffs lieferte. Dass dieser Umstand durchaus umfassende Folgen hat – solche „abgegrenzten“ Objekte wurden dann vor allem nach Descartes zur Basis der modernen Naturwissenschaften – muss in jedem Falle beachtet werden. Auf diesen Umstand und den daraus entstehenden Probleme verwies nachdrücklich M. Heidegger mit der eben seit den Griechen mehr oder weniger unbewusst getroffenen Unterscheidung zwischen dem Sein – die umfassendere Sicht – und der dominierenden Sichtweise auf das Wirkliche als das objektivierbare Seiende, aus der heraus dann auch abgegrenzte Gegenstände „gesehen“ werden. Dieses „gesehen“ macht darauf aufmerksam, dass das Sehen im mentalen Denken – siehe Jean Gebser – der Leit-Sinn ist, der alle anderen in Bezug auf darauf gründendes Verständnis überragt, durchaus mit wichtigen Folgen (s.u.). M.a.W., der Begriff der Realität, der seither sowohl in der westlichen Philosophie, als auch den westlichen Sprachen gilt, gründet auf dieser Sicht, die uns eben Kant so deutlich aufgezeigt hat. Allerdings können wir die weiteren Schlussfolgerungen aus diesem Standpunkt hier nicht weiter verfolgen, da unser im Folgenden zu erläuternder „Gegenstand“ Gesellschaft ja bekanntlich ein sozialer ist. Was also ist hier Realität?

Nochmals deutlich hervorgehoben; Realität als Begriff in Bezug auf real existierende Dinge und Objekte bezieht sich eben auf wirklich existierende Objekte in unserer Umwelt, die wir direkt sehen und beobachten können. Unbedingt wichtig ist es hier aber darauf zu verweisen, dass vor der Heraufkunft des mentalen dreidimensionalen Denkens (s.u.), die „Welt“ von unseren Vorfahren nicht in Objekte „zerlegt“ und be-griffen wurde, sondern prinzipiell als ein Refugium verstanden wurde, in dem alles mit allem zusammenhing. Dies kam auch in den früher Sprachen zum Ausdruck (s.u.). Dieser jetzt oben näher beschrieben Begriff wurde jetzt aber auch zur Benennung ganz anderer Verhältnisse benutzt, die nicht real existieren, nämlich auf soziale Bezüge, die aber prinzipiell nur als Interpretationen in unserem Gehirn vorhanden sind. M.a.W., ma´u kann deutlich beobachten, dass mit der Bezeichnung der Realität für soziale Bezüge und Verhältnisse hier eine Art von Bedeutungssicherheit einhergeht, die zwar scheinbar aus der wissenschaftlich-objektiven Sicht von Objekten gewonnen werden kann – zumindest ist davon die Wissenschaft überzeugt, eine Sicht die durch die Quantenphysik umfassend erschüttert wurde -, die aber im Zusammenhang mit sozialen Verhältnissen und Bezügen so nicht existiert und schon erst recht nicht, wenn ich die je persönlichen Interpretationserfahrungen gesellschaftlicher Umstände mit in Betracht ziehe. Dieser Umstand dürfte einer der wichtigsten Voraussetzungen dafür sein, dass gerade in diesen gesellschaftlichen Sichtweisen Ideologien – hier in diesem Zusammenhang auch noch besondere sprachliche Gewichtungen durch „bekannte“ Abstrakta von gesellschaftlichen Verhältnisse im Interesse der Eliten – so umfassend Fuß fassen konnten, denn jede von anerkannten Autoritäten vorgetragene Sichtweise auf solche Umstände ist damit „richtig“ und wird daher dann als „Realität“ in einem eher naturwissenschaftlich verstandenen Sinne von Sicherheit betrachtet, der nicht mehr infrage gestellt werden kann, ja oft genug auch darf. Eine der wichtigsten Absichten der folgenden Gedanken besteht darin mit Hilfe klarer Definitionen in Bezug auf bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse diese Zusammenhänge zu verdeutlichen. Vor allem aber damit auch ihre Veränderbarkeit zu erweisen.

Oder etwas anders formuliert; soziale Umstände und Zusammenhänge haben in Bezug auf Beweisbarkeit darin existierender Zustände ein Problem. Wenn ma´u sie analysieren will, gibt es keine faktischen Umstände wie z.B. bei physikalischen oder chemischen Abläufen, sondern es geht immer nur darum „begriffliche Zusammenhänge sichtbar zu machen, in denen ma´u sich wiedererkennen kann, und dieses Wiedererkennen sei der Prüfstein dafür, dass ein Vorschlag (einer Erklärung) als nicht willkürlich empfunden wird“ (P.Bieri a.a.O. S.372) M.a.W., eine gesellschaftliche „Realität“ besteht nicht aus objektivierbaren seienden „Gegenständen“ wie in den Naturwissenschaften, sondern existiert in unseren Köpfen als eine Abfolge von Begriffen, die wir dieser „Realität“ gegenüber anwenden – meist sollen -, um sie zu verstehen, aber auch um in ihr leben, arbeiten und letztlich auch uns darin wohlfühlen zu können. Sie ist die Ebene der sozialen Praxis, in der sich das Leben nach Regelmäßigkeiten  – vor allem Gewohnheiten, siehe hierzu insonderheit John Dewey – abspielt, deren Ablauf die Akteure zum großen Teil unbewusst verinnerlicht haben. Und nochmals, ganz wichtig; wir müssen uns in diesen Begriffen, die wir „verinnerlicht“ haben und den Bedeutungen, denen wir ihnen beilegen, wiedererkennen können, um sagen zu können; ja das, was diese Begriffe zum Ausdruck bringen, ist die Gesellschaft in der ich lebe. Es ist hier genau das gemeint, was Castoriadis in seinem Buch „Gesellschaft als imaginäre Institution“ als das Gesellschaftlich-geschichtliche bezeichnet, oder Heinrichs in seinem schon erwähnten Buch mit den Grundwerten. Nun haben Begriffe, wie oben schon angesprochen, bekanntlich alle ein grundsätzliches Problem. Bei gründlicherer Bedeutungsanalyse stoßen wir häufig darauf, „dass etwas, das wie ein klarer, unproblematischer Begriff aussah – etwa <Wissen>, <Wahrheit>, (oder eben auch) … <Freiheit> -, voller Rätsel ist und dass etwas, das wie ein harmloser Gedanke aussah, verblüffende und beunruhigende Konsequenzen hat, auf die man reagieren muss, wenn einem an der Stimmigkeit und Transparenz der eigenen Gedankenwelt (und Lebensrealität) gelegen ist“ (a.a.O. S.371), also genau das immer wieder erwähnte Problem der Abstrakta. Hier ist noch besonders hervorzuheben, dass insonderheit diese „allgemeinen gesellschaftlichen Wahrheiten“ gesellschaftlich-geschichtlich entstandene sind – siehe erneut Castoriadis, oder der Begriff der Grundwerte nach Heinrichs, aber insonderheit auch die Begründungen des Begriffs Gesellschaft durch Hannah Arendt –, die aber umfassend die Voraussetzung unseres gesellschaftlichen Handelns und Urteilens darstellen. Und genau dieser Sachverhalt trifft in einem grundlegenden Ausmaß auf den Begriff „derzeitige gesellschaftliche Realität“ zu, zumindest dann, wenn ma´u die Abstrakta Freiheit und Demokratie, die darin ja die Basisbegriffe sind, genauer analysiert und diese dann auf unsere derzeitige gesellschaftliche Realität anwendet. Und genau das ist die Absicht des folgenden Textes.

a5) Frei versus Freiheit 

Was also ist das, diese wenig durchschaute und bis heute nicht wirklich verstandene „scheinbar“ allgemein menschliche Möglichkeit und manchmal auch Fähigkeit, die ma´u uns von morgens bis abends als Freiheit aufschwätzt, ja regelrecht aufdrängt? Bevor Sie nach dem Lesen dieses Satzes ernsthaft wütend werden – was soll denn dieser Quark, wir sind doch frei, oder? -, möchte ich Sie dringend bitten, diese Ihre Entrüstung zurückzustellen, bis Sie die folgenden Seiten gelesen haben, denn natürlich wird hier ein solcher Satz nicht ohne Grund geschrieben. Um zu dieser Position – möglicherweise – zu gelangen – natürlich ist es nicht sicher, ob Sie bereit sind den folgenden Einwänden gegen die übliche Sicht auf diesen Umstand zu folgen, das ist natürlich ganz im Sinne der hier wirklich gemeinten Freiheit verstanden, ganz alleine Ihre Entscheidung – wollen wir uns diesem schwierigen Verständnis von Freiheit zunächst dadurch nähern, indem wir uns das Wort näher anschauen. Welches ist also die heute übliche Bedeutung von Freiheit? Vorab ist festzuhalten, dass auch dieses Wort Freiheit ein Abstraktum ist, also eine „Auf“-Hebung (Hegel) von Vorstellungen von freiem Denken und Handeln in die Sphäre philosophischer Betrachtungen. Auch hier ist jetzt vorab mit Susan Neiman ganz klar zum Ausdruck zu bringen, dass „ich es für unmöglich halte, wesenhafte Eigenschaften (der Freiheit) zu definieren“ (S.N. „Das Böse denken“ S.35). Gut, Frau Neiman meinte zwar hier das Böse. Da aber auch dieser Begriff das gleiche Abstraktum zu böse, wie Freiheit zu frei ist, kann es ehrlicherweise eben nicht gelingen, für solche Abstrakta solche wirklich nachvollziehbaren und umfassend belastbaren Definitionen zu liefern. Wenn wir nun aber doch solche Definitionen versuchen aufzufinden, denn natürlich gibt es solche schon lange und in großer Zahl, stellt sich eben, wie zu erwarten, sehr schnell heraus, dass das so einfach nicht ist. „Es gibt wohl kein Wort, dem man mehr unterschiedliche Bedeutungen (ein etwas anderer Begriff von Definition, zumindest in unsere Richtung gemeint) gegeben hätte, wie dem Wort Freiheit“ (Montesquieu „Vom Geist der Gesetze“ S.211). Zu dieser Voraussetzung kommt noch ein weiterer Umstand; „Es gibt bekanntlich kein … Problem (im Sinne der Definitionen von Abstrakta), so kompliziert es auch sein mag, das nicht, wenn man es nur richtig angeht, noch komplizierter würde“ (Geert Keil „Willensfreiheit und Determinismus“ S.7). Geht ma´u von diesen beiden Einsichten in einen so grundlegenden Umstand, wie es der der Freiheit ist aus und beachtet sie, kann es auch hier nur darum gehen, die wichtigsten Abgrenzungen, aber auch die hier im Folgenden gemeinten Bedeutungen dieses Begriffs von freiem Denken und Handeln zu umreißen. Wie Sie sehen, wird im Folgenden gar nicht mehr zuvörderst das Wort Freiheit im Blick sein, sondern das Adjektiv frei, von dem wir in der Regel eher eine klare Vorstellung gewinnen können, als von dem Abstraktum Freiheit.

Beginnen wir kurz bei der Herkunft des Wortes frei; im ersten Schritt müssen wir uns kurz die Zusammenhänge in Bezug auf die Weltsichtebenen (s.u., oder in meinen früheren Büchern, aber auch in den Büchern von Jean Gebser „Ursprung und Gegenwart“, oder Beck/Cowan „Spiral Dynamic“) anschauen. Danach entwickelte sich unser Denken von seinen archaischen Formen zum magischen Denken – Gebser – oder dem Stammesdenken – Beck/Cowan -, dann zum egoischen usw. bis zur Dominanz des rationalen Denkens heute. Dabei ist zweierlei zu beachten; in den früheren Formen des Denkens bestand keine klare Vorstellung eines Individuums, also ein deutliches Bewusstsein eines Ich. Dieses entstand erst mit dem mental-rationalen Denken vor ca. 2500 Jahren, setzte sich aber erst umfassend seit Ausgang des Mittelalters durch – siehe die Heraufkunft des Liberalismus, der ja eng hiermit zusammenhängt -. Zweitens veränderte sich auf jeder Entwicklungsstufe der jeweilige Identifikationsbezug. Er wechselte immer von der denkenden und von daher handelnden Einzelperson zur Gruppe. M.a.W., um dies an den Beispielen Stammesdenken und egoisches Denken zu zeigen; im Stammesdenken identifizierte sich ein Mensch – über die Ahnen – mit dem Stamm. Alles was er/sie tat wurde von dieser Einstellung her bestimmt. Da sich im egoischen Denken diese Identifikation auf die handelnde Person verschob, handelte er/sie hinfort nur noch im Eigeninteresse. Ein so denkender Mensch setzt immer seine Interessen durch, wenn es sein muss und die Möglichkeit besteht auch mit Gewalt. Er/sie hat immer Recht und wenn das mal nicht zutrifft, sind immer andere an einem möglichen Misserfolg schuld. Da es auch heute noch so denkende Menschen gibt, kann ma´u das da durchaus gut beobachten. Wichtig ist aber gerade in unserem Zusammenhang, dass hier in dieser Zeit auch das Patriarchat entstand, vor allem aber die Zivilisation mit den aus ihr herkommenden machthierarchisch organisierten Gesellschaftsbedingungen, angefangen in den Familien, über Gemeinden und sonstige öffentliche Organisationen bis hin zu den Staaten. Dieser Sachverhalt wird uns noch ausführlich beschäftigen.

Im zweiten Schritt wollen wir uns seine sprachliche Herkunft anschauen. Etymologischen Vermutungen zufolge hat es seine heutige Bedeutung über das germanische frī-halsa = „jemand, dem sein Hals selbst gehört“, der also über seine Person selbst verfügen kann, erhalten. Wenn das zutrifft, muss ma´u doch erstaunt zweierlei feststellen; erstens scheint dieser Begriff relativ spät entstanden zu sein und zweitens bezieht er sich immer, ja umfassend auf das Schicksal ganz konkreter Personen – siehe zur Erklärung das Thema der Weltsichtebenen -. Zunächst zu dem ersten Hinweis. Gab es denn davor keine Lebensumstände die einen solchen Begriff „hervorbrachten“, also Lebensumstände, in denen dieser Begriff „treffend“ gewesen wäre? Aber ja, die gab es, und zwar spätestens nach der unsäglichen „Erfindung“ der Schuldknechtschaft und der Sklaverei, allerdings nicht in Europa. Das älteste uns überlieferte Wort amargi aus Sumer – wörtlich „zurückkehren zur Mutter“ (David Graeber „Schulden“ S.72) –, das sinngemäß diesen Lebensumstand eines Menschen im Sinne von „frei sein“ betrifft, bezieht sich zunächst auf die Folgen der Schuldknechtschaft, die ja oft genug in Sklaverei endeten und macht darauf aufmerksam, dass ein solcher Zustand schon sehr früh aus den ökonomischen Verhältnisse hervorging und dass er die Menschen dabei aus ihren sozialen Bindungen riss. Nicht unwichtig ist auch, dass der gleiche Zusammenhang auch im AT mehrmals auftaucht und damit auch der alle 7 Jahre – das Sabbatjahr – gewährte allgemeine Schuldenerlass für Israeli – allerdings auch nur für diese – in einem solchen Sinne zu sehen ist. Damit ist klar, dass frei sein in der Vergangenheit, in besonderer Weise mit den wirtschaftlichen und damit gesellschaftlichen Zuständen zusammenhing – hier insonderheit die, in der die sog. Zivilisation entstanden waren (s.u.) gemeint -, in denen besondere Machtverhältnisse existierten, sprich den damit verbundenen totalen Verfügungsmöglichkeiten der führenden Kräfte über den Rest der Gesellschaft. Um es mit Max Horkheimer auszudrücken: „Die Unterklasse wird im Altertum und weitgehend im Mittelalter durch physischen Zwang und Befehl, durch das abschreckende Beispiel furchtbarer irdischer Strafen und noch durch die Drohung mit der Hölle im Zaum (m.a.W., in Unfreiheit) gehalten“ (a.a.O. S.123). Unbedingt wichtig ist aber zu beachten, dass alle diese Sichtweisen von frei, keine gesellschaftlichen Umstände meinten, sondern ausschließlich persönliche.

Das ist heute nicht unwesentlich anders, obwohl ma´u uns ständig etwas anderes aufschwätzt. Um dies zu zeigen, wollen wir einen Vorschlag von G. Keil aufnehmen, der vorschlug den Begriff von frei mit den einfachen Fragen „wovon“ frei und „wozu“ frei zu sein, anzugehen. In diesen scheinbar einfachen Fragen stecken schon zwei der wichtigsten Hinweise auf ein näheres Verständnis von „frei sein“ drin. So könnte ma´u zunächst, wie es von Isaiah Berlin in seinem Buch „Freiheit“ vorgeschlagen wurde, fragen, „Wer ist der Herr“, bzw. „Auf welchem Gebiet bin ich der Herr“ (a.a.O. S.46) in Bezug auf meine Entscheidungen gemeint, der/die hier „wozu“ handelt oder „wovon“ – von welchen Vorgaben ma´u geleitet ist, um zu handeln oder nicht – entscheidet. Diese Unterscheidung bezieht sich auf die Sichten von frei sein im Sinne von positiver und negativer Freiheit. Diese besonders wichtige Unterscheidung geht auf Kant zurück und wurde erneut von Berlin – neben anderen – ausführlich dargelegt. Sie meint erstens, dass ich „einen Bereich brauche, in dem ich darauf zählen kann, dass andere nicht in ihn eindringen“ (a.a.O.) – die Beschreibung der negativen Freiheit -, also weder durch meine Umgebung, noch durch Gesetze oder andere fremdbestimmte Umstände in meinem Handeln eingeschränkt werde. Ich will eben zweitens „m(s)ein eigener Herr sein. Ich will, dass mein Leben und meine Entscheidungen von mir abhängen … Ich will das Werkzeug meiner eigenen, nicht fremder Willensakte sein“ (a.a.O. S.211), – die positive Freiheit -. Und es gibt durchaus Menschen, die Liberalen nämlich, die überzeugt waren und sind, dass uns Menschen – manche Liberalen meinten damit alle Menschen, inzwischen meinen aber die meisten von ihnen nur noch diejenigen, die dazu wirtschaftlich oder politisch in der Lage sind – diese positive Sichtweise zustünde. So ist z.B. Rousseau der Überzeugung, dass wir alle frei geboren sind und Berlin verweist darauf, dass es „unheilbar töricht und verantwortungslos sei, die Menschen in ihrer Mehrheit als Untergebene zu behandeln“ (a.a.O. S.65), ein Umstand, der seit der Heraufkunft der Zivilisation fast immer umfassend galt und bis heute gilt, wenngleich ma´u uns ständig erzählt, das wäre nicht so (s.u.).

Ein erster Hinweis in diese Richtung finden wir, wenn wir uns eine heute gängige Formulierung der Freiheit – also wirklich frei handeln zu können – ansehen. So lesen wir bei Wikipedia z.B. dazu Folgendes „Freiheit wird in der Regel als die Möglichkeit verstanden, ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können. Der Begriff benennt in Philosophie, Theologie und Recht der Moderne allgemein einen Zustand der Autonomie eines Subjekts“. Wie oben schon im Zusammenhang mit der Thema der Begriffe und das was wir unter Realität verstehen angesprochen, ist einer der ersten Schritte zum wirklichen Verständnis solcher Sätze eine klare Vorstellung was die verwendeten Begriffe eigentlich meinen. In diesen beiden eben zitierten Sätzen stecken aber selbst wider so viele vordergründig bekannter, aber gerade in unserer Absicht unklarer Begriffe, dass eigentlich jeder einzelne davon näher erläutert werden müsste. Nun habe ich ja aber zu dem Thema der Freiheit schon ein eigenes Buch geschrieben, in dem Sie den weitaus größten Teil der hier infrage kommenden Klärungen nachlesen können, so dass ich mich auf einige wenige Hinweise konzentrieren kann. Beginnen wir mit dem Begriff „in der Regel“. Dazu hat A.N. Whitehead eine sehr wichtige Bemerkung gemacht, die hier, ihrer Bedeutung gerade in diesem Zusammenhange halber, zitiert wird: „Wenn man die Philosophie einer Epoche kritisch betrachtet, sollte man sich nicht vorwiegend mit ihren intellektuellen Positionen befassen, die ihre Exponenten meinen verfechten zu müssen. Es wird immer einige Grundannahmen geben, von denen Anhänger all der verschiedenen Systeme innerhalb dieser Epoche unbewusst ausgehen (siehe nochmals oben das Thema des Gesellschaftlich-geschichtlichen nach Castoriadis oder der Grundwerte nach Heinrichs). Derlei Annahmen scheinen so selbstverständlich, dass die Leute gar nicht wissen, was sie annehmen, weil ihnen der Gedanke, dass man Dinge auch anders sehen kann, gar nicht kommt“. M.a.W., es gibt eben „in der Regel“ auch heute solche Begriffe, oder noch anders, auch hier werden eine Menge Begriffe verwendet, über deren möglicherweise von der heute üblichen Sicht abweichende Bedeutung genau aus dem hier von Whitehead dargelegten Zusammenhang gar nicht mehr nachgedacht wird. Ganz offensichtlich ist einer dieser Begriffe in dem obigen Text und damit unserem speziellen Zusammenhang das Wort Zwang. Was könnte das meinen?

Das Wort Zwang kommt erstens von dem Umstand des „jemanden zwingen Wollens“ und dann oft auch „Könnens“, das oder jenes zu tun oder zu lassen, aber auch von umfassenden Vorgaben her, die uns im gesellschaftlichen Interesse – und deren Vorgaben – durch die Erziehung entweder vorgegeben, oder durch schlechtes Gewissen untersagt werden. In welchem Umfang dies zutrifft, zeigt uns einerseits die Psychoanalyse, aber auch ein unverstellter Blick auf die Entwicklung dieser familiären Umgangsformen und deren Veränderungen in den letzten 5-600 Jahren (siehe hierzu das sehr informative 2 bändige Werk von Norbert Elias „Über den Prozess der Zivilisation“). So weit so gut. Aber war das denn schon immer so, dass es jemanden gab, der andere so mir nichts dir nichts zwingen konnte etwas zu tun oder zu lassen? Keineswegs, zumindest nicht im Sinne eines gesellschaftlich üblichen und damit auch sanktionierten Zusammenhangs. Der hier jetzt gemeinte Umstand verweist darauf, dass wir in Gesellschaften leben, in denen es selbstverständlich ist, dass solches jederzeit offen, heute eher verdeckt geschehen kann, ob über gesetzliche Vorgaben oder von Vorgesetzten in allen möglichen Hierarchien, bis in die Familien, oder durch „übliche“ – also meist vorgegebene oder „aufgedrängte“ Sichtweisen, nach denen wir unser Handeln ausrichten (siehe hierzu  das Buch „Die lautlose Disziplinierung“ von Thomas Mathiesen) -. Aber genau das glauben wir üblicherweise nicht, weil diese Umstände erstens völlig „normal“, weil allgegenwärtig sind und zweitens ständig vernebelt und verdeckt werden. In Wirklichkeit ist es so, dass dies permanent geschieht. Wir nennen solche Gesellschaften üblicherweise zivilisiert. Bevor Sie hier erneut diesem Satz ungläubig gegenüberstehen, ist auf das Kapitel über die Gesellschaft und die Zivilisation zu verweisen, in denen dieser hier behauptete Umstand umfassend dargestellt wird. Jedenfalls leben wir praktisch weltweit in Gesellschaften, die schon lange patriarchal und damit machthierarchisch organisiert sind und somit so funktionieren (s.o.). Und wenn das nicht schon schlimm genug wäre, werden diese Zusammenhänge durch die wirtschaftlichen Bedingungen, die ja mit der Globalisierung ebenfalls weltweit wirken, im Sinne der allgemeinen Abhängigkeit von fremdem Willen und umfassender Unterordnung unter diese noch gravierend verschärft. M.a.W., alle Menschen müssen sich weltweit – mit der Ausnahme relativ weniger Aussteiger – den Bedingungen des Marktes und damit der wirtschaftlichen Verhältnisse unterordnen und sich nach den Bedingungen des Konsumismus (s.u.) verhalten. Diejenigen an der Spitze meinen zwar, dass sie dies nicht nur nicht müssten, sondern diese Verhältnisse bestimmen könnten, aber wie wir noch sehn werden, ist diese Meinung ebenso unrealistisch, wie die aller übrigen Menschen, die davon überzeugt sind, wirklich in freien Gesellschaften zu leben.

Bevor wir nun aber uns noch ganz kurz anschauen, welche freien Verhaltensmöglichkeiten wir angeblich haben und welche Einschränkungen es hierzu heute gibt – zumindest einen ersten Eindruck – wollen wir doch in aller gebotener Kürze umreißen, was ab hier unter frei sein verstanden werden soll. Was also meinen wir im weiteren Verlauf mit dem Wort frei wirklich? Der alles umfassende Grund unseres Freiseins unseres freien Denkens und Handelns hängt mit unserem freien Willen zusammen. Dieser ist es, der uns erst zu freien Menschen macht, mit allen daraus herkommenden Folgen. Dies war schon Sokrates aufgefallen und spielte dann bei Paulus und noch mehr bei Augustinus die entscheidende Rolle der Begründung unserer Sündhaftigkeit. Es war ja der freie Wille, der es Adam und Eva ermöglichten, sich gegen das Gebot Gottes zu verhalten. So ist dies auch für Geert Keil in seinem Buch „Willensfreiheit und Determinismus“ – den wir hier weitgehend ausklammern – die Grundlage seiner Definition der Freiheit. Dort heißt es – neben voraufgehenden näheren Hinweisen -: „Willensfreiheit ist die Fähigkeit zur hindernisüberwindenden Willensbildung“ (a.a.O. S.28) und er fährt S. 33 fort „und –umsetzung“, wobei diese Umsetzung natürlich an Handlungen orientiert ist, bzw. diese erst hervorbringt. Diese Aussage muss nun aber in vielfacher Hinsicht konkretisiert und in gewissem Grade auch eingeschränkt werden. Das erste Problem besteht darin, für sich zu erfahren und dann daraus herkommend zu entscheiden, was ich denn wollen will, also ganz konkret zu wissen, welche Wünsche und Bedürfnisse ich habe, die ich mit Hilfe meines Willens umsetzen will. Peter Bieri hat in seinem schon erwähnten Buch viele Seiten darauf verwendet die Probleme aufzuzeigen, die Menschen, die aus einer Sozialisation wie der unseren hervorgehen haben, um überhaupt ihre ganz eigenen Wünsche zu erkennen und dann auch anzunehmen. Denn in aller Regel läuft ja unsere Erziehung darauf hinaus, sowohl die Erwartungen unserer Eltern an uns, aber auch der Gesellschaft zu erfüllen und nicht unsere eigenen Wünsche wahrzunehmen, geschweige denn an eine Erfüllung überhaupt zu denken. M.a.W., wir haben unser Selbst – das „Fremde in uns“, wie dies der bekannte Analytiker Arno Grün in seinem gleichnamigen Buch nachweist – so umfassend bekämpfen und verdrängen müssen, dass wir uns sehr schwer tun – oft ein ganzes Leben lang – wieder wahrzunehmen, was diese unsere Wünsche sind. Damit hängt eben auch zusammen, ob wir dann diese unsere Wünsche auch billigen können. Sie könnten ja in ihrer Anwendung unsere jeweilige Lebensumstände und –verhältnisse, die wir ja in der Regel nach Maßgabe der eben genannten Vorgaben aufbauten, erheblich beeinträchtigen.

Eine ganze Reihe von Problemen ergeben sich aber aus den Außenwirkungen unserer aus diesen Entscheidungen herkommenden Willensakte bzw. daraus folgenden Handlungen. Als erstes wäre hier zu nennen, dass wir umfassend unser persönliches Umfeld in unsere Entscheidungen beachten, besser noch mit einbeziehen sollten, denn alle die hier dazugehörenden Menschen sind ja von solchen Akten mehr oder weniger betroffen. Damit hängt auch das sog. Mill-Limit zusammen. „.. der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitgliedes einer zivilisierten Gemeinschaft rechtmäßig ausüben darf, der ist; die Schädigung anderer zu verhüten“ (J.S. Mill „Über die Freiheit“ S.38). M.a.W., die Grenze einer Handlungsfreiheit ist immer dort, wo die Beschädigung oder auch nur Beeinträchtigung des Wohlergehens anderer Menschen beginnt. Wir werden noch sehen, in welchem Maße gerade dieser Grundsatz immer mehr umgangen, ausgehöhlt bis völlig missachtet wird. In diesen Zusammenhang gehört auch das umfassende Thema der Verantwortung in Bezug auf meine Willensentscheide und daher kommender Handlungen. Es ist ja die kaum noch existierende Verantwortung führender Politiker und Wirtschaftspersonen, die eine der entscheidenden Gründe für die Fehlentwicklungen der derzeitigen Marktgesellschaften – also unserer derzeitigen Gesellschaften, die immer umfassender in Kosten-Nutzen-Relationen denkt und handelt, ohne dessen Folgen insonderheit auf Mensch und Natur zu beachten – darstellt.

Natürlich sind diese wenigen hier vorgestellten Voraussetzungen, aber auch Begrenzungen unseres freien Willens und seiner Handlungsspielräume nur erste Hinweise in das Gemeinte. Aber weitere würden den hier gegebenen Rahmen sprengen, darüber hinaus werden weiter unten noch eine ganze Reihe weiterer besprochen und in der angefügten Literatur können eine Menge Bücher gefunden werden, die dieses Thema wesentlich erweitern helfen können. Wenden wir uns jetzt, – allerdings ebenfalls nur kurz – der „Liste“ der uns seither zugestandenen Freiheitsrechte zu, mit einigen Angaben zu deren immer umfassenderen Be- bzw. Einschränkungen.  So werden den BürgerInnen sog. demokratischer Staaten in ihren Verfassungen allgemeine Grundrechte, Bürgerrechte und Menschenrechte garantiert. In welchem Maße diese von Beginn an mehr illusorisch als wirklich waren – zumindest für die „unteren“ Bereiche der Gesellschaften – wird unten noch umfassender Gegenstand sein. Dass diese aber im Zusammenhang mit dem Thema innere Sicherheit ständig weiter eingeschränkt werden, ist die derzeitige politische Praxis all dieser Staaten. Aber natürlich haben diese modernen Verfassungen eine ganze Reihe von Verbesserungen gegenüber den vorausgegangenen Verhältnissen mit sich gebracht. Es wäre schlicht unredlich und würde die Glaubwürdigkeit dieser Überlegungen schlicht untergraben, wollte ma´u dies leugnen. Wesentliche Grundfreiheiten sind demnach die allgemeine Handlungsfreiheit – sofern sie nicht vorgegeben Pflichten, z.B. in der Arbeit, und die Rechte anderer beeinträchtigen (s.o.) -, die allgemeine Vertragsfreiheit – insonderheit für Personen mit entsprechender politischer oder finanzieller Möglichkeiten -, das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit – wie ma´u allerdings immer deutlicher beobachten kann (siehe besonders die USA), werden diese für Randgruppen immer prekärer -, die Religionsfreiheit, dieser nahe auch die Freiheit der Weltanschauung und des Gewissens – sofern nicht eine dominierende Religion diese außer Kraft setzt, siehe insbesondere einige islamische Länder -, die Meinungsfreiheit – für Meinungen die ma´u uns mit Hilfe umfassend propagierter Ideologien aufdrängt, siehe die freie Marktideologie (Begründung dieser Aussage in meinem Buch „Der real existierende Kapitalismus, die tödliche Despotie der Holons Technik, Markt, Geld, Zins und Eigentum“) -, die Pressefreiheit – die allerdings von wenigen Großkonzernen dominiert und z.B. in den USA weitgehend von der CIA kontrolliert und in derem Sinne und Interesse manipuliert wird -, die Kunstfreiheit, die Wissenschaftsfreiheit – die immer mehr im Interesse der Großkonzerne (umfassende Finanzierung von Forschungsvorhaben durch dieselben mit entsprechenden Vorgaben) „beeinträchtigt“ wird, siehe insonderheit das Thema Genforschung und deren Folgen, aber auch andere – die Koalitionsfreiheit – die z.B. für Gewerkschaften in einigen Ländern nie bestand oder eingeschränkt bis abgeschafft wurde, siehe die USA seit Reagan und den Thatcherismus, aber auch die Agenda 2010 und ihre Folgen -, die Versammlungsfreiheit, das Post- und Fernmeldegeheimnis – das durch weltweite Kontrolle und Abhören (NSA) immer umfassender untergraben wird, siehe das Thema „der gläserne Bürger“ -, sowie die informationelle Selbstbestimmung – die durch immer umfassendere Manipulationen (z.B. durch schlichtes Verschweigen) und immer häufigere Bücherverbote unliebsamer Autoren, (siehe das Thema Jan van Helsing), immer eingeschränkter wird -, die allgemeine Freizügigkeit – die sich allerdings in eine immer umfassendere Libertinage mit immer weniger Grenzen ausweitet, siehe das Thema Pornographie -, die Berufsfreiheit – mit besonderen Vorteilen für privilegierte Herkunft, siehe das sich immer umfassender ausbreitende Privatschulwesen -, der Eigentumsschutz – mit allen Bedingungen, auch den negativen, die diesem anhaften, siehe erneut meine Bücher – einschließlich der Testierfreiheit, die Unverletzlichkeit der Wohnung und das Asylrecht – mit ziemlich umfassenden gesetzlichen Einschränkungen der jüngsten Zeit -. Es ist gar keine Frage, dass alle diese Rechte absolute Voraussetzung wirklich demokratischer Gesellschaften wären, würden sie denn uneingeschränkt garantiert. Wir werden uns über die hier schon angefügten Anmerkungen hinaus noch umfassender mit einigen von ihnen, insonderheit ihre derzeit negativen Entwicklungen, beschäftigen müssen.

Aber auch hier ist noch eine positive und ihre immer mehr eingeschränkte Möglichkeit zu erwähnen. Kraft der Grundrechte erhält der Einzelne gegenüber der staatlichen Gemeinschaft eine eigenständige Position zugewiesen, die er rechtsstaatlich durchsetzen kann und kraft derer er prinzipiell in die Lage versetzt sein soll, über sein Leben selbst zu bestimmen, dieses nach eigenen Vorstellungen zu gestalten und sich hierbei auch mit anderen zu verbinden, um so maßgeblichen Einfluss auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung zu nehmen (Wik). Rein rechtlich ist nun dieses Konzept der Grundrechte über den von den meisten Staaten der Welt ratifizierten Pakt für bürgerliche und politische Rechte weltweit anerkannt. Aber jeder Mensch der unteren Bevölkerungsklassen weiß – manchmal aus eigener leidvoller Erfahrung -,  dass die tatsächliche Umsetzung bei Weitem nicht durchgehend gewährleistet und auch in demokratisch entwickelten Staaten nie vollständig gesichert war und ist. Es ist erstens immer eine Frage der finanziellen Möglichkeiten sich die wirklich guten RechtsvertreterInnen leisten zu können, um seine Rechte wirklich umsetzen zu können und zweitens ist es sehr die Frage, ob das zur Debatte stehende „Vergehen“ den bestimmenden Kräften einer Gesellschaft passt, oder nicht (siehe nochmals das Eingangszitat von Sokrates). Das Thema der Whistleblower, aber auch die „Rechte“ der Hartz IV Empfänger in den beteiligten Ämtern sind hierfür deutliche Belege. Am Ende dieser Überlegungen ist aber dringend darauf zu verweisen, dass alle diese hier vorgestellten Umstände und Verhältnisse mit der schon inflationären Verwendung des Begriffs Freiheit – siehe z.B. der Begriff „Freie Marktwirtschaft“, die weder in Bezug auf den real existierenden Kapitalismus (die korrekte Bezeichnung unserer derzeitigen Wirtschaftsordnung), noch auf die Verhältnisse auf dem Markt und schon gar nicht auf „die Märkte“ zutrifft (siehe zum Beleg Niklas Luhmann in „Die Wirtschaft der Gesellschaft“) – wenig zu tun haben, sondern speziell die Möglichkeiten anzeigen sollen, seine eigenen freien Willensentscheidungen umsetzen zu können. Der Begriff Freiheit soll ganz offensichtlich in Bezug auf unsere derzeitigen gesellschaftlichen Realitäten eine Art Glorienschein erzeugen, um die täglich erlebbaren Realitäten hochzujubeln, vor allem aber diese dadurch zu verschleiern. Vielleicht wäre der Begriff Leichentuch manchmal zutreffender, siehe besonders die immer prekäreren Verhältnisse in den weitaus meisten sog. Entwicklungsländern, aber zunehmend auch in unserer Nachbarschaft, siehe das Beispiel Griechenland. In diesem Sinne, bzw. in der täglich erlebbaren Realität, ist praktisch das Wort Freiheit fast schon eine Art Gegengewicht gegen das Wort frei. Oder m.a.W., ma´u versucht offensichtlich damit die immer umfassenderen Beschränkungen freier Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten zu überdecken und ihre Wahrnehmung zu verdrängen. 

a6) Souverän-sein und Souveränität

 

Falls Ihnen der Text bis hierher zugeagt hat, müssten Sie sich, um weiterlesen zu können, nach den obigen Angaben das Buch kaufen. Vielen Dank.

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