Spiralberater

Was ist ein Spiralberater?

Im letzten Jahrhundert erfolgten in der Erkenntnis der geistigen Entwicklung der Menschen zwei fundamentale Durchbrüche. Das sind einerseits die Forschungsergebnisse von Jean Piaget und die von Clare Graves, bzw. seinen Schülern Beck und Cowan, deren Ergebnisse die beiden letzteren unter der Überschrift „Spiral Dynamics“ veröffentlichten. Ken Wilber hat in seinem Buch „Integrale Psychologie“ noch weitere gleichlautende Ergebnisse anderer PsychologInnen belegt. Andererseits gibt es die Erkenntnisse von Jean Gebser zu diesem Umstand, veröffentlicht in seinem Buch „Ursprung und Gegenwart“. Während die Erkenntnisse Piagets mäßig bekannt sind, aber trotzdem wenig bis gar nicht befolgt werden, gilt dies in noch umfassenderer Weise für die Erkenntnisse von Graves. Gebser u.a. Die Kenntnisse, vor allem ihre praktische Anwendung wären aber in fast allen Bereichen der Gesellschaft dringend erforderlich, würden sie doch viele historisch bisher wenig verstandene Umstände erklären. Dies gilt insbesondere für „Spiral Dynamics“. Die Anwendung dieser Erkenntnisse hat sich schon während des Übergangs von der Apartheit zur demokratischen Entwicklung Südafrikas glänzend bewährt.

Angeboten werden Beratungen in öffentlichen und privaten Organisationen, wobei zunächst das Konzept selbst vorgestellt wird. Danach folgen Hinweise auf Umstände und Folgen einer Unkenntnis, aber auch mögliche positive Auswirkungen einer Anwendung, insbesondere für Führungsebenen.

Was sich nun ganz konkret hinter dem Begriff „Spiral Dynamics“ verbirgt, kann Ihnen das Lesen des folgenden Textes vermitteln. Dieser ist allerdings eine sehr gedrängte Darstellung einer umfassenden Sicht geistiger Entwicklungen bei uns Menschen.

In meinem Buch mit dem Titel „Das Patriarchat“ spielt natürlich die geistige Entwicklung der Menschen allgemein eine entscheidende Rolle. Der folgende Text ist diesem Buch entnommen.

„Klarheit“ = Geistige Entwicklung

Bei der Einführung der Metapher des „Fensters“ – eine Kapitelüberschrift – bezog sich dieses ja auf den „Ort“, von dem aus „hinaus“-geschaut wird. Dies ist natürlich der jeweilige menschliche Geist. Es ist nun unschwer zu erkennen, dass die „Klarheit“ eines Blickes durch ein solches „Fenster“ nicht nur von der „Beschaffenheit“ dieses „Fensters“ abhängt, sondern auch von derjenigen des schauenden und das Gesehene interpretierenden Geistes. Wenn wir also ein Urteil über das gewinnen wollen, was und vor allem wie dieser unser Geist beschaffen ist und funktioniert, müssen wir uns diejenigen Erkenntnisse näher anschauen, die uns darüber Auskunft geben. Nach meiner absoluten Überzeugung kann uns aber der heute immer populärer werdende Blick „von außen“, – „populär“ vor allem wegen der Vehemenz, mit der diese Sicht von ihren Protagonisten veröffentlicht wird, also durch bildgebende Verfahren -, keine wirkliche „Ein“-„Sicht“ verschaffen, weder in die Art unseres Denkens, noch erst recht nicht in deren Inhalte. Der Grund für diese meine Position wird sich deutlich aus dem folgenden Text ergeben.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war man der Überzeugung, wir Menschen würden all unsere geistigen und sozialen Fähigkeiten weitgehend mit „zur Welt“ bringen. Diese würden sich dann während des Heranwachsens in einer Art Reifeprozess entwickeln und dadurch ihren späteren Endzustand erreichen. Die jeweiligen individuellen Unterschiede ergäben sich nach diesem Modell aus den je eigenen Erbanlagen. Diesen Umstand machen Portraitbilder noch im 18. und 19. Jahrhundert deutlich, in denen Kinder als kleine Erwachsene dargestellt werden. Insbesondere aber war, und ist man auch immer noch, in völlig unverständlichem Maße der Überzeugung, dass Wissen durch Memorieren erworben würde. Oder anders gewendet: man brauche Menschen nur Bilder oder Begriffe in den Blickbereich ihres „Fensters“ zu stellen oder bringen, und schon wüssten sie darüber Bescheid, hätten es erfasst und/oder verstanden und könnten dann damit „etwas anfangen“. Genau aus dieser Fehlmeinung heraus entsteht immer weiter die Katastrophe unseres gesamten Bildungssystems. Es waren die Forschungen Jean Piagets seit Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, die deutlich zeigten, in welchem Maße sowohl dieses Denken, als auch das fast zeitgleich entstehende Modell des Behaviorismus verfehlt waren und sind. Auf das letztere soll hier aber nicht näher eingegangen werden. Es sei nur kurz erwähnt, dass es diejenige Sicht auf die menschliche Psyche darstellt, die man dann „erhält“, wenn man uns Menschen nur von außen betrachtet. Dass es aber immer noch eine wesentliche Rolle in der Psychologie spielt, ist von daher nicht sehr erstaunlich – siehe das schon eingangs erwähnte Objektivitätspostulat. Das meint natürlich nicht, dass die Ergebnisse dieses Denkens und Forschens unnütz wären. Als ergänzende Informationen zu Ergebnissen der Forschung aus dem „Blick“ nach Innen, sind die selbstverständlich sinnvoll. Da aber unsere Psyche vor allem und zuerst ein inneres Phänomen ist, ist diese daher auch nur durch solche Beobachtungen und Interpretationen zu erkennen und von daher zu erklären ist. Damit greifen dessen Erklärungen entweder immer zu kurz, oder führen völlig in die Irre (siehe unten). Um nun aber wieder das „Fenster“ zu bemühen. Spätestens nach den Erkenntnissen Piagets wird klar: unser „Fenster“ wird nicht durch die Geburt „mitgeliefert“, sondern entsteht erst durch die jeweilige Ontogenese und Sozialisation. M.a.W., es ist keineswegs gleichbleibend und immer bei allen Menschen gleich „vorgegeben“, sondern entsteht erst durch die jeweiligen Umstände unserer Kindheit. Es ist entwicklungs- und lernbedingt, aber daher auch absolut offen.

Die ursprüngliche Forschungsabsicht Jean Piagets war es zu erkennen, wie es eigentlich Kindern gelingen kann, mathematisch zu „denken“. Folgerichtig beobachtete er den Lernweg und Lernerfolg an und bei Kindern, insbesondere seinen eigenen direkt von der Geburt an. Dabei entdeckte er auch für ihn völlig überraschend eine sich stufen- oder stadienweise – seine Bezeichnung – darzustellende Entwicklung der geistigen Fähigkeiten dieser Kinder. Da er dies aber in den folgenden Jahren immer wieder bestätigen konnte, wurde ihm bewusst, dass wir Menschen allgemein unsere geistigen Fähigkeiten so erwerben. Nach seinen Beobachtungen, die seither im Grundsatz von allen Beobachtern bestätigt wurden, die einen vergleichbaren Ansatz wie Piaget selbst anwandten, kann ma´u immer folgende Stadien beobachten: sensomotorisch, von 0 – etwas mehr als 2 Jahren, prä-operational, auch prä-op genannt, bis ca. 7 Jahre, konkret-operational, oder kon-op, bis ca. 12 Jahre und daran anschließend als vorerst letzte formal-operational, oder form-op. Diese Stadien wurden zwar von ihm selbst und anderen oft noch weiter unterteilt, aber ganz grundsätzlich gibt es zwischen diesen Stadien ganz gravierende und daher diese genau bezeichnende Unterschiede, so dass es angemessen erscheint, hier diese grundsätzliche Unterscheidung anzugeben und sich im weiteren darauf zu beziehen. M.a.W., die „Helligkeit“ und Umfassendheit unserer Blicke durch unser „Fenster“ inklusive der „Größe“ dieses „Fensters“ ist weder gleich, noch entwickelt es sich kontinuierlich. Diese Prozesse verlaufen immer stufen- oder stadienweise.

Da es heute sowohl in jedem guten Fachbuch zu diesem Thema die entsprechenden Hinweise und meist auch Belege gibt, diese auch in seinem Werk, oder noch besser seiner eigenen Zusammenfassung (J. Piaget „Meine Theorie der geistigen Entwicklung“) leicht nachzulesen sind, wird hier auf weiteres Eingehen auf diese Umstände verzichtet. Aber natürlich wurden nun diese Ansätze, wie selbstverständlich alle neuen Entdeckungen, vor allem wenn sie so fundamental sind, von allen Seiten einerseits immer erneut untersucht, vor allem aber andererseits von unterschiedlicher Seite kritisiert und oft auch bestritten. Die wichtigsten Einwände einer vergleichenden Sicht, richteten sich gegen das Auftreten aller Stadien bei allen Kindern, zeigte es sich doch sehr bald, dass dies keineswegs zutraf. So fand man vor allem in „bildungsfernen“ Schichten, in Randgruppen von Gesellschaften, oder gar „Naturvölkern“, die über das Stadium prä-op weiterführenden Stadien seltener, oder gar überhaupt nicht – siehe unten. Dass natürlich vor allem aus dem Bereich „objektivierbarer“ Betrachtung und hier vor allem dem Behaviorismus diese ganze Stadientheorie direkt, oft auch indirekt bestritten wurde und wird, ist von dessen Sicht her – also der Blick von außen – völlig verständlich. Da aber jedermann bei der aufmerksamen Beobachtung der Entwicklung von Kindern, die von Piaget beschriebenen typischen Merkmale jederzeit beobachten kann, soll hier auf diese Einwände nicht näher eingegangen werden. Diese Erkenntnisse sind aber in geradezu umfassender Weise ein Beleg dafür, dass unser „Fenster“ nicht von Beginn unseres Lebens an „klar“ ist, sondern erst stadienweise, oder Schritt für Schritt klarer wird. Ja es wird nicht nur „klarer“, sondern immer vorhandene, sozusagen eingebaute „Verzerrungen“ verändern sich und damit auch die „erkannten“ Bilder. Also auch hier ein Entwicklungsprozess, der erst durch unsere gezielte Aufmerksamkeit zu wirklich positiven Ergebnissen führen kann. Darauf ist nochmals zurückzukommen.

Der wohl bestätigendste Beleg der Stadientheorie Piagets kommt aber von ganz anderer Seite. Gemeint ist hier das Konzept mit dem Titel „Spiral Dynamics“. Dieses wurde von dem amerikanischen Psychologen Clare Graves begründet, aber weiterentwickelt und veröffentlicht wurde es erst von seinen Schülern Beck und Cowan.

Die Herausgeber des Buches nennen „Spiral Dynamics“ eine von insgesamt vielleicht drei großen Durchbrüchen, die im letzten Jahrhundert in Bezug auf den Umgang mit Komplexität gelungen sind – neben der System- und der Chaostheorie. (sinngemäß in D.E. Beck, Ch.C. Cowan „Spiral Dynamics“ S.9). In annähernd 40 jähriger Forschung wuchs während dieser Arbeit die Erkenntnis, dass innerhalb der Menschen und innerhalb aller Gesellschaften ganz unterschiedliche „Weltsichten“, von Beck und Cowan auch w-Meme genannt, existieren. Wenn wir uns hier wieder an unsere Metapher des „Fensters“ erinnern, wären diese w-Meme einerseits so etwas Ähnliches wie ein „Gitter“, bzw. in das „Glas“ geschliffene „Figuren“ oder „Verzerrungen“, die natürlich die „Sicht“ in charakteristischer Weise verändern, andererseits wie ein „Guckloch“. Das „Guckloch“ würde von „Stufe“ zu Stufe der w-Meme immer größer und das jeweilige „Gitter“ hätte immer weniger „Maschen“, bzw. die „Figuren“ veränderten ihr Aussehen. Wir kommen auf diese neue Metapher nochmals zurück.

Es handelt sich aber bei dieser Erkenntnis, bei diesem Durchbruch, keineswegs um ein eher spekulatives System, wie das schon lange existierende Enneagramm, sondern ein durch harte Fakten und Daten unterlegtes Konzept. Eine solche Weltsichtebene, ein solcher Welterklärungsrahmen oder w-Mem „spiegelt eine Weltsicht, ein Wertesystem, eine Ebene der psychischen Existenz, ein Glaubenssystem, ein Organisationsprinzip, eine Denkweise oder eine Form der Anpassung“, ja ein je eigener Erklärungsrahmen, eine je mögliche Erkenntnisvorlage wider. Es „stellt eine zentrale Intelligenz oder Kernintelligenz dar, das Systeme bildet (bringt z.B. auch gesellschaftliche Formen hervor, s.u.) und menschliches Verhalten steuert. …. als Entscheidungsrahmen hat es Einfluss auf alle Lebensentscheidungen. Jedes w-Mem kann sich in gesunden wie auch in ungesunden Formen manifestieren. … es ist eine für sich stehende Denkstruktur, nicht bloß (aber auch!!) ein Set von Ideen, Werten oder Gründen“, also eben ein ganz spezielles „Gitter“, eine spezielle „Erkenntnisfigur“ vor unserem je eigenen „Fenster“ (a.a.O. S.10). Und diese je eigene „Erkenntnisfigur“, also ein Etwas, das die „Bilder“ die wir zu erkennen glauben in je eigener Weise verändert, wird uns von unserer sowohl privaten, als auch kulturellen Umwelt vorgegeben. Oder noch anders: die „Bilder“ in unserem Kopf sind keine Abbilder, wie manche philosophischen Richtungen unterstellten, sondern durch unsere private und kulturelle Ontogenese geprägte. Mit diesen Sätzen ist das Objektivitätspostulat endgültig gestorben. Auch darauf ist nochmals zurückzukommen.

Liest man sich nun die folgende Beschreibung dieser Ebenen durch, kann man sofort erkennen, welch umfassende, ja fundamentale Einsicht in unser Denken und die Gründe unseres Entscheidens und Verhaltens hier möglich ist. Warum aber wurde dieses Konzept als ein Beleg für die Forschungen Piagets bezeichnet. Dies wird dann deutlich, wenn man sich die Ebenen, Wellen, oder Stufen (alle diese Begriffen wurden benutzt, um das Folgende zu beschreiben) ansieht, die die unterschiedlichen Möglichkeiten, bzw. Ausprägungen des menschlichen Denkens im Licht dieser Forschungen benennen. Beck und Cowan erkannten eben auf Graves aufbauend, dass Menschen in ganz unterschiedlichen „Ebenen“ denken und sich in dessen Sinn verhalten. Es entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Ebenen- oder Stufenmodell, das sie, um möglichen Diskriminierungen vorzubeugen, die aus diesen Stufen herkommen könnten – ich bin auf einer „höheren“ Stufe, also bin ich besser, usw. – mit Farben benannten. Um den Umfang und vor allem Tiefgang zu erkennen und zu zeigen, hier eine möglichst kurze und zentrierte Aufzählung der verschiedenen w-Meme nach Beck und Cowan:

 Beige: (Grundtenor) Tu, was Du für dein Überleben tun musst

· benutzt seinen Instinkt und seine Gewohnheiten, um zu überleben

· ein klar getrenntes Selbst ist noch kaum erwacht oder gar beständig

· Nahrung, Wasser, Wärme, Sex und Sicherheit haben Priorität

· bildet Überlebendverbände, um das Leben zu erhalten und weiterzugeben

Zu finden: bei den ersten Menschen, Neugeborenen, senilen alten Menschen, Alzheimerkranken im letzten Stadium, geistesverwirrten Obdachlosen, verhungernden Massen.

Purpur: Die Geister zufrieden stellen und das Nest des „Stammes“ warm und sicher halten.

· den Anweisungen von Geistwesen und mystischen Zeichen Folge leisten (Strafen wie Krankheit oder gar Tod könnten folgen)

· den Häuptlingen, Alten, Ahnen und dem Clan gegenüber treu ergeben sein (eigene Interessen sind gegenüber den Stammesinteressen weniger wichtig)

· heilige Gegenstände, Orte, Vorkommnisse und Erinnerungen in Ehren halten

· Übergangsriten, Jahreszeitenzyklen und Stammesbräuche erhalten

Zu finden: bei dem Glauben an Schutzengel und voodooähnlichen Flüchen, bei Blutschwüren und über Generationen weitergegebenen Rachegefühlen, religiösen Gesängen und Trancen, Glücksbringern, Familienritualen, magischen ethnischen Glaubensvorstellungen und Aberglauben, in Gangs, Sportmannschaften und Unternehmen, in „Clans“ stark verbreitet.

Rot: Sei ohne Rücksicht, das was du bist, und tu, was du willst.

· die Welt ist ein Dschungel voller Räuber und Gefahren (nur mein Eigeninteresse zählt)

· reißt sich von jedweder Herrschaft und jedwedem Zwang los, um sich selbst zu gefallen (um aber eventuell durch Gewalt Zwang auszuüben)

· steht groß da, erwartet Aufmerksamkeit, fordert Respekt und hat das Sagen

· genießt sein Selbst mit vollstem Recht und ohne Gewissensbisse und Schuldgefühle (setzt sein „Recht“ mit Gewalt durch)

· überwindet, täuscht und beherrscht andere aggressive Persönlichkeiten (Macht geht über alles)

Zu finden: bei Kindern in der „Trotzphase“, rebellischen Jugendlichen. Grenzlandmentalitäten und feudalen Königtümern, bei James-Bond-Bösewichten, epischen Helden, Glücksrittern, wilden Rockstars, Attila und „Herr der Fliegen“, Basis des patriarchalen Denkens.

Blau: Das Leben hat eine Bedeutung, eine Richtung und einen Zweck mit vorbestimmten Ergebnissen.

· das Selbst, für das transzendente Ziel, „Die Wahrheit“ oder den rechten Weg opfern (z.B. auch durch Selbstmord)

· die Ordnung erzwingt einen Verhaltenscode, der auf ewigen, absoluten Grundsätzen beruht (10 Gebote)

· rechtschaffenes Leben schafft gegenwärtige Stabilität und sichert zukünftigen Lohn (eventuell erst im Jenseits)

· Impulsivität wird von Schuldgefühlen kontrolliert, jeder hat seinen ihm gebührenden Platz (Über-Ich)

· Gesetze, Vorschriften und Disziplin bilden den Charakter und den Grundstoff der Moral (oft durch Beichte, meist durch Strafe und/oder Buse abgesichert)

Zu finden: dem puritanischen Amerika, dem China des Konfuzius, dem Chassidismus, dem Dickens´schen England, singapurischer Disziplin, dem ritterlichen Ehrenkodex, wohltätigen, guten Taten, der Heilsarmee, bei islamischen Fundamentalisten, bei Pfadfindern und im Patriotismus, Basis der Großreligionen.

Orange: Handle im eigenen Interesse und spiele so, dass du gewinnst.

· Veränderung und Fortschritt liegen in der Natur der Dinge (und im eigenen Interesse)

· Fortschritt, indem wir die Geheimnisse der Natur in Erfahrung bringen, bzw. sie der Erde „entreißen“ und  die besten Lösungen für uns finden

· Die Schätze der Erde so verarbeiten, dass ein Überfluss an gutem Leben geschaffen und verbreitet wird (Ausbeutung der Erde ist unwichtig)

· Optimistische, risikofreudige Menschen, die sich auf sich selbst verlassen können, verdienen Erfolg (in manchen Fällen überdimensionalen Reichtum und Macht)

· Gesellschaften gedeihen durch Strategien, Technologie und Konkurrenzdenken, das immer nur im eigenen Interesse liegt.

Zu finden: im Zeitalter der Aufklärung, „Erfolgs“-Ministerien, an der Wall Street, bei Motorrad und Autorennen, an der Riviera, in einer entstehenden Mittelklasse, der Kosmetikindustrie, Handelskammern, dem Kolonialismus, Werbefernsehen, dem Kalten Krieg, Debeers Diamantenkartell, Brustimplantaten, der Mode, der Religion des Kapitalismus.

Grün: Suche nach Frieden im inneren Selbst und erkunde mit anderen die fürsorglichen Dimensionen von Gemeinschaft.

· der menschliche Geist muss von Habgier, Dogma und Entzweiung befreit werden

· Gefühle, Sensibilität und Fürsorge ersetzen kalte Rationalität

· Die Schätze und Möglichkeiten der Erde gleichmäßig unter allen verteilen

· Entscheidungen durch Versöhnung und Konsensprozesse erreichen, wobei oft uferlose Diskussionen in Kauf genommen werden

· Spiritualität auffrischen, Harmonie bringen, die menschliche Entwicklung bereichern

Zu finden: in klientenzentrierten Therapien, der Theologie der Befreiung, bei Ärzte ohne Grenzen, im kanadischen Gesundheitssystem, in der amerikanischen Bürgerrechtsunion, dem Weltkirchenrat, Sensibilitätstraining, Greenpeace, der Tiefenökologie, der Tierrechtsbewegung.

Diese sechs w-Meme gelten als diejenigen der sog. ersten Ordnung. Ihre Problematik besteht darin, dass sie sich untereinander, – vor allem gegen das Vorgänger-w-Mem -, eher bekämpfen. Darauf folgen diejenigen der sog. zweiten Ordnung, bisher zwei bekannt.

Gelb: Lebe umfassend und verantwortlich, als der, der du bist und lerne zu werden.

· das Leben ist ein Kaleidoskop natürlicher Hierarchien, Systeme und Formen

· die Großartigkeit der Existenz wird höher geschätzt, als materielle Besitztümer

· Flexibilität, Spontaneität und Funktionalität haben höchste Priorität

· Wissen und Kompetenz, sollten Rang, Macht und Status ersetzen

· Unterschiede können in interdependenten, natürlichen Fließprozessen reguliert werden

Zu finden: in Carl Sagans Astronomie, der Chaostheorie, angepasster Technologie, Ökoindustriegebiete (die den Abfluss des jeweils anderen als Rohmaterial verwenden), Fred Alan Wolfs „neuer Physik“, Deepak Chopras „Die Körperzeit“.

Türkis: Erfahre die Ganzheit der Existenz mit dem menschlichen Verstand und dem höheren Geist.

· die Welt ist ein einziger dynamischer Organismus mit kollektiver Vernunft

· das Selbst ist sowohl ein klar unterschiedener als auch ein mit einem größeren, mitfühlenden Ganzen verbundener Teil

· alles verbindet sich in ökologischer Ausrichtung mit allem

· Energie und Information durchdringen die gesamte terrestrische Umwelt

· Holistisches, intuitives Denken und kooperatives Handeln sind zu erwarten

Zu finden: in Theorien von David Bohn, McLuhans „globalem Dorf“, bei Rupert Sheldrake und den morphogenetischen Feldern, in Gandhis Ideen einer pluralistischen Harmonie, Ken Wilber „Eros, Kosmos, Logos“, James Lovelocks „Gaia-Hypothese, Pierre Teilhard de Chardins „Noosphäre“.

Inzwischen wird von anderen Autoren, die diese Zusammenhänge erforschen eine weitere Eben, Koralle vorgeschlagen. Aber diese ist diesen beiden Autoren noch immer unklar (dieser Text wurde bis hierher weitgehend wörtlich, an manchen Stellen mit Ergänzungen,  zitiert a.a.O. S 71-76). Nach Ken Wilber, der sich sehr für die Verbreitung dieser neuen Erkenntnisse in seinen Büchern einsetzt, führt der Weg, den man am Ende dieser Entwicklung einschlagen kann, in verschiedene Ebenen dessen, was üblicherweise Erleuchtung genannt wird. Ob das dann irgendwann „Koralle“ genannt wird, bleibt offen, vor allem deshalb, weil es dann wahrscheinlich nicht nur eine, sondern 4 weitere solcher Ebenen geben müsste. Aber das ist ein eigenes Thema.

Diese Aufzählung stellt zweifellos ein beeindruckendes Bild menschlicher Realitäten dar. Am Ende ist aber noch auf wenigstens drei grundlegende Umstände hinzuweisen, die bei der Beurteilung sowohl der Theorie selbst, als auch ihrer Reichweite und Erklärungskraft zu beachten sind:

1. Alle Menschen durchlaufen in ihrer je eigenen geistigen Entwicklung ab ihrer Geburt alle Stufen bis zu der Stufe, die sie aktuell leben können. Im Erreichen einer neuen Stufe, wird die vorherige „mitgenommen“ und eingeschlossen. Es kann keine Stufe ausgelassen oder übersprungen werden. Auch dieser Prozess verläuft damit emergent. Solche Stufen sind eben auch Holons. In diesem so dargestellten stufigen Prozess liegt auch der schon erwähnte Zusammenhang mit den Erkenntnissen Piagets.

2. In dieser immer wieder bestätigten stufigen Entwicklung zeigt sich ein weiterer wichtiger Umstand. Der jeweilige Schwerpunkt des geistigen Bezuges bewegt sich wie ein Pendel von der Seite des Individuums auf die Seite der Sozialität und wieder zurück zum Individuum. Allerdings erreicht dabei jeder „Pendelausschlag“ eine neue Umfassendheit des jetzt möglichen Blickes aus dem „Fenster“ und damit des möglichen Verständnisses von Welt. Die „Bewegungen“ von Beige – Überleben des Einzelnen, Ich – zu Purpur – Identifikation und Überleben des Stammes oder Clans, Wir – zu Rot – erneute Identifikation mit dem Individuellen, jetzt vor allem im Sinne von Herrschaft über die „Welt“ und andere, Ich – zu Blau – Identifikation mit dem Mythos, der Religion, der Partei usw., Wir – über Orange bis letztlich Koralle zeigen dies deutlich. Hier zeigt sich nebenbei die Erklärungskraft des Holon-Begriffs erneut, aber auch die der „eingeschliffenen Figuren“ im „Glas“ unseres „Fensters“.

3. Diese Stufen geistiger Präsenz, Sichtweisen und Erklärungsmöglichkeiten von Individuum und Welt beschreiben jetzt aber keineswegs ein System von Kammern oder Schubladen, in die man Menschen „packen“ und dann „ablegen“ könnte. M.a.W., diese Theorie ist in gar keinem Sinne und keiner Richtung starr, ganz im Gegenteil, wie ja auch ihre Benennung durch Beck und Cowan anzeigen. Erstens ist eine Person höchst selten bis nie eindeutig einer dieser Stufen zuzuordnen. Er/sie hat ja immer alle vorigen Stufen durchlaufen und kann sehr wohl bei entsprechendem „Bedarf“, also besonderen Anforderungen jeweiliger Umstände, auf das Denken und die Verhaltensweisen früherer Stufen „zurückgreifen“. In den Stufen des ersten Ranges geschieht dies wohl eher unbewusst, aber ab den Stufen des zweiten Ranges können diese Möglichkeiten von solchen Menschen ganz bewusst eingesetzt werden, was ja in der Praxis bereits von einer neuen Art von „Spiralberatern“ geschieht.

Damit ist natürlich weder die Spirale selbst noch die Möglichkeiten ihrer Anwendungen umfassend oder gar eindeutig beschrieben. Dies würde den hier beabsichtigten Rahmen auch weit überschreiten. Aber bevor diese Umstände verlassen werden, gilt es noch auf einige Zusammenhänge hinzuweisen, die unbedingt bei einem Blick darauf zu beachten sind. Wie geschieht eine solche Entwicklung geistiger Fähigkeiten überhaupt und gelingt diese immer und überall? Oder anders gefragt: wie gelingt der Zugang zu den weiteren, umfassenderen Stufen? Die hier versuchte Antwort bezieht sich jetzt aber nur auf die Entwicklung einzelner Menschen und nicht auf die historischen Umstände. Um diese Frage zu beantworten muss kurz eine Bedingung erwähnt werden, die hier eine wichtige Rolle spielt, die aber eigentlich erst später genauer zur Sprache kommen soll, nämlich die Folgen patriarchaler Erziehung. Diese behindert, ja blockiert in manchen Fällen geradezu solche Entwicklungen. Daher hier nur kurz: solche Übergänge bleiben wohl ein Leben lang möglich, setzten aber immer geistige Unabhängigkeit von jeweiligen Autoritäten, insbesondere jeweiliger Eltern voraus, s.u. Bei Kenntnis der Theorie und von da herkommender Beobachtung von Menschen, kann man in manchen Familien deutliche Begrenzungen beobachten, die von den Eltern auf deren Kinder „übergehen“, die direkt mit solchen Umständen in Verbindung gebracht werden können. An dieser Stelle sei noch kurz erwähnt, dass auch unser derzeitiges allgemeines Bildungssystem und dessen Ausrichtung an der Gehorsamserziehung, einer solchen Entwicklung nicht besonders „förderlich“ ist. Auch darauf muss nochmals näher eingegangen werden.

Ein weiterer Blick lohnt sich auf die Probleme von Welterklärungen, die sich zwischen den einzelnen Stufen auftun. Es wurde schon erwähnt, dass ein neues w-Mem die vorherigen eher bekämpft, denn erst auf diesem können die Probleme des vorherigen w-Mems erkannt und einer Lösung zugeführt werden. Das kann einerseits zu einer gewissen Überhebung über dieses frühere wMem führen. Andererseits aber sind die Kritisierten natürlich über diese Kritik wenig bis gar nicht erfreut, da man die kritisierten Umstände im Denken dieses w-Mems gar nicht erkennen kann. Und damit sind wir bei einem weiteren ganz enorm wichtigen Problem, das unbedingt zu beachten ist. Die neu erreichte Stufe sieht die Welt in wichtigen Bereichen und Zusammenhängen völlig neu und zwar oft so radikal anders, dass ihre Sichtweise von früheren w-Memen weder zu sehen, noch zu verstehen ist. Beispiel: Nach der Bibel und damit der Überzeugung Blau schuf Gott die Welt in sieben Tagen und nach „Berechnungen“, die sich auf diese Texte beziehen tat er dies vor ca. 4-6000 Jahren, man vergleiche die Argumente der sog. Kreationisten, die ja genau mit diesen Argumenten ihre Sichtweise verteidigen. Eine andere Sichtweise ist daher gar nicht möglich, egal was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, denn in der Bibel steht „Wort Gottes“ und ist daher wörtlich zu nehmen und Gottes Wort ist immer wahr, Punkt. Oder noch ein anderes Beispiel: Grün geht vehement gegen die orange Ausbeutung der Natur an, denn die Natur ist kein „Gegenstand“ des analytischen Verstandes und Ausbeutungsobjekt einer alleine erfolgsorientierten Wirtschaft, sondern allgemeiner und vernetzter Lebensraum für alles und jedes, damit auch für uns Menschen. Die grünen Parteien dieser Welt haben hier ihren Ursprung.

Hat man dieses Grundproblem der w-Meme einmal erkannt und identifiziert, kann man viele öffentliche Debatten besser verstehen, vor allem solcher, in denen sich die Teilnehmer manchmal wie „Kesselflicker“ streiten, wobei dann oft deren jeweilige Argumentation erkennbar völlig aneinander vorbeigeht. Bei Kenntnis und Beachtung solcher Voraussetzungen könnten viele Talkrunden im Fernsehen entschärft werden, was leider bisher nicht geschieht, weil wohl die ModeratorInnen solche Kenntnisse bisher nicht haben, aber natürlich nicht nur dort.

Zum Abschluss dieses Abschnittes noch zwei kurze Bemerkungen. Wie schon erwähnt kann man diese, mit den Erkenntnissen von J. Piaget sehr gut in Übereinstimmung bringen. So liegt wohl Beige auf der Stadie sensomotorisch, Purpur ist eine Art Übergangsstadium zu und in prä-op. Rot ist eindeutig prä-op und Blau ebenso deutlich kon-op. Alle folgenden Stufen sind ab jetzt nur mit form-op zu erreichen. M.a.W., betrachtet man sich das ganze Konzept Spiral Dynamics, setzt es in Wirklichkeit die Stadien Piagets unbedingt voraus. Oder noch anders; Menschen können nur solche Weltsichtebenen erreichen, die innerhalb ihrer geistigen Entwicklungsbereiche nach Piaget liegen. Ein Mensch der/die, aus welchen Gründen auch immer, die Stadie prä-op nie hinter sich lassen konnte, wird auch nie über Rot hinauskommen. Hier erhebt sich jetzt aber doch eine Frage: welche Rolle spielt denn in diesem Zusammenhang eigentlich die Intelligenz? Es gibt Menschen mit erwiesenermaßen hoher Intelligenz, die in prä-op und damit in Purpur oder Rot verharren. Der Grund wurde oben schon angedeutet und wird später nochmals aufgegriffen. Intelligenz ist eben „nur“ ein Werkzeug des Verstandes und der Vernunft, der sowohl in jeder Stufe wichtige „Dienste“ leistet, als sicher auch die „Übergänge“ unterstützen kann. Sie ist das beste „Putzmittel“ unseres je eigenen „Fensters“, aber eben auch nicht mehr. Daher kann man sie aber niemals für die eben angedeuteten Entwicklungen verantwortlich machen. Dies widerspricht der Realität, denn hier spielen allenthalben wesentlich psychische Momente die Hauptrolle.

Und noch ein letztes: Sowohl die Stadien Piagets, als auch die Stufen von Spiral Dynamics laden geradezu wieder mal dazu ein, diese als ein Argument für die eigene Überheblichkeit und Großartigkeit zu missbrauchen. Wenn jemand meint sich auf solche Weise über andere erheben zu müssen oder zu können, hilft eh kein Argument. Ein vorhandener Narzissmus ist mit keinem Argument beizukommen, wenn überhaupt dann mit Betroffenheit aus dessen Folgen, oder einer analytischen Behandlung. Alle diese Stufen waren zur Zeit ihres Heraufkommens jeweils ein Schritt nach vorn für uns Menschen insgesamt, haben uns doch nur diese zu den Umständen und Momenten auf den Weg gebracht, die wir heute gemeinsam erleben können. Das Gleiche gilt natürlich nach wie vor für den jeweiligen Weg jedes Kindes. Insofern sind alle Stadien und alle Stufen unverzichtbare Voraussetzungen der Entwicklung des menschlichen Geistes und daher unbedingt zu achten. Ohne unser je eigenes „Fenster“ hätten wir schlicht keine Welt. Dass diese Welt aber immer eine je eigene ist, ist eine direkte Folge der Beschaffenheit unseres „Fensters“. Und das ist die andere Seite dieser besonderen Sichtweise, die man nie übersehen sollte.


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